Auf dem Eis ein Tier

Wenn man ihn sich so ansieht, den Robby Hein, dann erwartet einen ein schüchterner, fast zurückhaltender junger Mann. Leicht in sich gekehrt, immer ein höfliches Grinsen für die Mitmenschen um ihn rum. Lieber ein Wort zu wenig als eins zu viel, kein Polterhannes, wie so viele seines Alters. Doch wehe, der Bottroper hat sich die Kufen umgeschnallt – dann kracht´s. Wenn Robby Hein Eis unter sich spürt, dann ist der Top-Sportler voll in seinem Element und lässt das Tier im Manne raus. Und in diesem Fall: den Moskito, denn der 26-Jährige ist Profi-Eishockeyspieler in Essen.

Robby 2

 Er weiß es noch, als ob es gestern gewesen wäre. „Ich will da rein gehen“, sagte der kleine Robby vor rund 20 Jahren zu seinen Eltern, die mit ihm vom Schwimmen kamen. „Ich hab da gegenüber der Schwimmhalle immer die coolen Jungs gesehen die mit ihren schweren Taschen in die Eishalle marschiert sind. Das fand ich klasse, das wollte ich auch. Und zwar deutlich lieber als zu schwimmen. Meine Eltern haben sich natürlich gewundert, bei uns in der Familie hatte noch niemals jemand was mit Eishockey am Hut“, lacht der gelernte Friseur. Umso besser, dass Papa Hein seinem Filius den Wunsch nicht abschlagen wollte. Eine Leihausrüstung musste her, Eishockey ist teuer – „und zack, drehte ich meine ersten Runden auf dem Eis in Dinslaken“, so Hein, der sofort dem dortigen Jugendtrainer ins Auge sprang. Talent erkannt, Talent geweckt – und ab da kannte der Weg für den Bottroper Jung nur noch eine Richtung: nämlich steil nach oben. Dinslaken, Duisburg, Düsseldorfer EG, Moskitos Essen, Landshut, Crimmitschau und Ratingen – die sportlichen Stationen des Bottropers können sich mehr als sehen lassen und führten den Stürmer bis in die zweite Liga. Jetzt hat es Hein wieder zurück nach Essen gezogen, wo der Angreifer dem Puck erfolgreich nachjagt. „Ich habe gerade was Tore angeht eine kleine Durststrecke, aber ich arbeite täglich daran dass es schnellstmöglich wieder besser läuft“, so der ehrgeizige Torjäger. Täglich vier bis fünf Stunden trainieren Hein und seine Mitspieler.

Robby 3

Da bleibt nicht viel Zeit für andere Dinge. Manchmal, wenn die Zeit es zulässt, dann wird schonmal Fußball geguckt. So eine riesige Begeisterung kommt beim Bottroper dabei allerdings nicht auf. „Naja, das ist schon ok. Aber Eishockey ist natürlich eine ganz andere Nummer“, lacht Robby Hein, wenn er die Härte und die Foulspiele der beiden Sportarten schnell im Kopf miteinander vergleicht. „Bei uns spielt man zum Beispiel mit gebrochener Hand und Schiene, so etwas kommt andauernd vor. Und wir brauchen unsere Hände ja nun auch wirklich“, so Hein, der in seiner rund 20-jährigen Eishockey-Geschichte beinahe sagenumwobenes geschafft hat: er grinst noch aus seinen eigenen Zähnen. Und zwar aus allen. „Ja, da hab ich bislang ganz gut Glück mit gehabt, auch wenn der eine oder andere Verteidiger gerne schonmal Zahnfee bei mir spielen wollte. Aber bis auf einen doppelten Kieferbruch hatte ich nichts Großes an Verletzungen oder Verlusten.“ Doppelter Kieferbruch – müßig zu erwähnen, dass Hein wenige Stunden nach der OP wieder seine Kreise auf dem Eis gedreht hat. Er kann halt nicht ohne, und er wird auch nicht ohne. „Ich habe ja Gott sei Dank noch einige Jahre vor mir, und die werde ich auch voll ausschöpfen. Und das gerne auch weiterhin in Essen bei den Moskitos, ich fühle mich hier pudelwohl. Ich hab mein gewohntes Umfeld, in der Mannschaft stimmt es und die Fans sind der absolute Wahnsinn. Wir alle dürfen uns geehrte und privilegiert fühlen, bei diesem Verein zu spielen“, weiß Hein, wo seine Heimat ist.

 

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Fotos auf dem Eis: Dirk Unverferth

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