Norbert, der sanfte Riese aus Kirchhellen

Wir haben eher das Gefühl einen alten Freund, den wir so lange und schmerzlich vermisst haben wiedergefunden zu haben, als einen TV- und Kinostar zu interviewen. Bescheiden, zurückhaltend und mit leiser Stimme, immer freundlich ohne auch nur den leisesten Anflug von Überheblichkeit oder Arroganz sitzt dieser Hüne bei feinstem Wetter mit uns im Außenbereich des Café Kläsener in Kirchhellen, trinkt mit uns Kaffee und knabbert Kekse, so als wäre es das Normalste von der Welt. Norbert Heisterkamp, das spürt man, spielt nicht nur im TV gerne den Kumpeltyp, er ist es. Kind des Ruhrpotts, offenes Wesen, offene Worte mit Ecken und Kanten, aber sanftmütig und immer freundlich. Wir bedanken uns, dass er uns die Möglichkeit gibt ihm ein paar Fragen stellen zu dürfen. „Ich suche mir meine Interviews ganz genau aus. Ich mache tatsächlich nur das, worauf ich wirklich Bock habe. Und auf Euch habe ich Bock“, sagt Heisterkamp, und unweigerlich wollen wir ihn schon wieder feiern, unseren kultigen Harry aus „Alles Atze“, würden ihn gerne sofort und ohne Umschweife packen, auf die Schultern nehmen und unter großem „Norbert-Norbert-Getöse“ einmal bis in die Bottroper Innenstadt und dann zurück nach Kirchhellen tragen – wenn er nicht so ein Brocken wäre… Mitmachen, das spüren wir, würde Heisterkamp diesen Spaß sofort. „Hier hab ich viel erlebt, vor allem in meiner Jugend“, grinst der gebürtige Kirchhellener und lässt den Blick über den Johann-Breuker-Platz schweifen. Wie er damals mit der aufgemotzten Kreidler durch Kirchhellen gebraust ist, „das ist wichtig dass es eine Kreidler war, mit Zündapp konnte man sich nicht blicken lassen“, lacht Heisterkamp, nimmt einen Schluck und der Kaffeepott sieht in seiner Pranke auf einmal eher wie ein Espresso-Tässchen aus. Die Leidenschaft für schnelle Maschinen ist Heisterkamp niemals abhandengekommen, im Gegenteil. Von Ferrari bis McLaren ist der passionierte Rennfahrer und Motorradfreak schon alles gefahren. Jetzt, am 1. und 2. August steigt der 52-Jährige für den guten Zweck beim „Osnabrücker Bergrennen“ in den neuen Mercedes GT – und verlost den Beifahrerplatz.

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„Das Geld geht immer an einen caritativen Zweck. Das sind Dinge, die mir immer sehr wichtig sind und am Herzen liegen“, sagt der gelernte Elektriker. Und auf einmal wird der lange Blonde, der uns alle so oft zum Lachen gebracht hat bei Alles Atze oder den Sieben Zwergen, ganz in sich gekehrt, fast wirkt es, als würden Heisterkamps zwei Meter in sich zusammensacken, auch der Kaffeepott nimmt wieder normale Größe an. Denn was man im TV oder im Kinosaal nicht sieht ist, dass beim Bottroper das Schicksal schon mehrfach zugeschlagen hat. Heisterkamp erzählt von ehemaligen Freunden, die mit dem Erfolg auf einmal von Neid zerfressen nichts mehr mit ihm und seiner Familie zu tun haben wollten. Erzählt von Todesfällen, Unfällen – und erzählt von seiner Schwester, die vor wenigen Jahren und langer, intensiver Pflege im heimischen Elternhaus nach langer Krankheit verstarb. „Das ist der Grund, warum ich mit meinen drei Kindern und meiner Frau vor sechs Jahren nach Dorsten gezogen bin. Ich konnte nicht mehr in dem Haus bleiben, in dem meine Schwester verstorben ist. Das ist zu hart, alles erinnert einen an diese schwere Zeit, man hört noch die Geräusche. Es musste einfach ein Schnitt her“, so Heisterkamp, der aber niemals ausschließen möchte, nicht eines Tages doch wieder in seine Heimat nach Kirchhellen zurück zu ziehen. Familie, das ist Heisterkamps Ding – und das spürt man auch. Seit über 30 Jahren skandalfrei mit der gleichen Frau verheiratet, gibt die Familie Rückhalt und Kraft. So auch als sich Heisterkamp vor vielen Jahren entschieden hatte, das „Strippenziehen“ auf dem Pütt dranzugeben und im Movie Park als Stuntman anzuheuern. „Die hatten damals gesucht, und ich hatte für mich das Gefühl dass ich in meinem Leben etwas ändern musste. Also bin ich hingegangen, hab mich beworben – und es hatte geklappt“, erinnert sich der ehemalige Bodybuilder, dessen Markenzeichen auch heute noch der massig-wuchtige Körper ist. „Aber ich muss zugeben, ich hatte da schon die eine oder andere schlaflose Nacht. Aber es hat ja alles wunderbar geklappt“, lacht der Bottroper Jung. Und wie. Kinofilme, Serien, TV-Auftritte, Comedy-Preise – Norbert Heisterkamp, der freundliche Typ aus Kirchhellen, er ist ganz oben angekommen. Was seine Lieblingsrolle ist, wollen wir wissen und nehmen fest an, die Antwort sein Harry aus Alles Atze. „Das war zwar auch sehr schön, zumal ich mich auch privat mit Atze Schröder sehr gut verstehe, aber meine Lieblingsrolle ist die des Jacob Strong im „Haus der toten Augen“ mit Eddy Arendt und Maximilian Schell. Ein ganz besonderes Erlebnis war für mich, wahrscheinlich sogar das Schönste, als ich gemeinsam mit meiner Frau ein Abendessen gemeinsam mit Blacky Fuchsberger und dessen Frau genießen durfte. Wir haben uns ganz wunderbar unterhalten, das war ein Abend, der uns auf ewig im Gedächtnis bleiben wird. Ich bin sehr dankbar dafür“, so Heisterkamp, der derzeit wieder mit seinem sehr guten Freund Maddin Schneider dreht.

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„Kartoffelsalat“ heißt der Film, auf den sich der „Lange“ schon freut. Darüber hinaus stehen noch zig weitere Projekte an, wie zum Beispiel eine Episoden-Hauptrolle in einer Krimi-Serie. Und plötzlich sind zwei Stunden um, haben wir uns mit unserem neuen besten Kumpel Norbert verplaudert. Wir gehen über den Platz hin zum Brezelbruder, Norbert schüttelt freundlich Hände, hat nette Worte für seine Fans die ihn umgehend erkennen und macht geduldig mit jedem ein Foto. „Das hab ich gerne, wenn ich merke dass die Leute sich freuen mich zu sehen und mich erkennen, das ist ein ganz tolles Gefühl. Ich würde niemals einen Foto- oder Autogrammwunsch ablehnen, das könnte ich nicht übers Herz bringen“, sagt Heisterkamp und erinnert sich an eine Premierenfeier von „Sieben Zwerge“. 4000 Fans waren vor dem Kino, und eine Dame, die zielstrebig auf Heisterkamp zuhielt und ansprach: „Sie sagte sie würde sich sehr freuen, wenn ich sie nur einmal kurz in den Arm nehmen könnte. Das habe ich natürlich gerne getan, sie hat sich bedankt und ist mit einem zufriedenen Lächeln in der Menschenmenge verschwunden. Das war ein besonderer Augenblick“, so das blonde Kraftpaket. Oder sein allererster Autogrammwunsch, den er wohl auch niemals vergessen wird: „Da habe ich Post von acht Leuten gleichzeitig bekommen in einem Sammelumschlag – aus dem Altenheim“, lacht der Stuntman. Dann sagt er uns tschüss, und wir können nicht anders, gehen noch einmal hin und müssen diesen wunderbaren Menschen einfach zum Abschied in die Arme nehmen. Dann wankt er ab, dieser sanfte Riese, und wir bleiben zurück mit einem Gefühl dass uns sagt: wir sehen uns wieder, Norbert – und dann machen wir eine dicke Sause. Danke!

Fotos im Text: www.norbertheisterkamp.de

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1 Kommentar

  1. Berthold Stein

    1. August 2015 - 15:00
    Reply

    Da ist man ganz stolz drauf wenn Leute vom Revier , sogar aus der eigenen Stadt, es deutschlandweit in die Medienwelt verschlägt wie hier den netten Herrn Heisterkamp oder die nachwüchslinge Aydin Brüder. Bottroper Knappen inne Glotze , lautet das Motto und bereitet und sehr viel Spaß beim zusehen.

    Glück auf

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