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Sonntag, September 19, 2021

Fußgängerin verletzt

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Das Ende des Schweigens

Von Dennis Bröhl

 

Wie würdest Du entscheiden?  Ab wann ist ein Schweigen nicht mehr tolerierbar und das Reden Pflicht? Nicht nur ein  Mal hat sich der Bottroper Martin P. diese Frage selbst gestellt. Stellen müssen. Gezwungen von Umständen, die ihm zusehends zusetzten, krank machten, ihm dem Schlaf raubten. Er war ganz nah dran an dem Mann, der seit November in Untersuchungshaft sitzt und den eine erdrückende Beweislast wohl auch für viele Jahre nur noch gefilterte Luft atmen lassen wird. Martin P. ist der Mann, der den Skandal um den Apotheker Peter S. ins Rollen gebracht und, glaubt man den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, wohl damit viele Menschen vor Unheil bewahrt hat.

 

Manchmal, da sitzt er einfach nur so da in seinem Haus in Bottrop, garnicht so weit entfernt von dem Ort, wo sich das Unvorstellbare ereignet haben soll. Der Blick geht ins Leere, die Haut ist bleich, der Geist müde und angestrengt. Kraft haben ihn die vergangenen Wochen und Monate gekostet, erst der Kampf im Inneren, dann der Kampf um Gehör. Und um seinen Ruf. Martin P. ist erkennbar körperlich angeschlagen, aber wenn er sich einige Dinge von der Seele reden kann, dann läuft  der wache und analysierende Geist  auf Hochtouren. Die Augen sind wach, bereit für den Kampf, der noch vor ihm liegt. Martin P. ist der Kronzeuge einer Anklage, die sich wahrscheinlich zum größten Medizinskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte ausweiten wird. Ein Held, in so vielen Bottroper Augen und Mündern. Aber er selbst, er lehnt dieses Wort strikt ab. „Ich habe getan, was ich tun musste. Ich war am Scheideweg: entweder ich sage nichts und verschwinde, oder ich bleibe und decke auf  was sich dort tut“, sagt er gegenüber unserer Redaktion. P. hat sich dazu entschieden, den schweren Weg zu gehen. Zu reden, den harten Kreis des Schweigens zu durchbrechen und den vielen Menschen, denen das Unrecht widerfahren sein soll, mit unterdosierten Krebs-Medikamenten eine Behandlung bekommen zu haben, die diesen Namen nicht verdient, eine Stimme zu geben. Zunächst waren es die Gerüchte, sagt P., die immer wieder über den Flurfunk der Apotheke gesendet wurden. „Im ersten Moment glaubt man so etwas nicht. Das sind Gerüchte, die so dermaßen weit hergeholt erscheinen, die so unvorstellbar sind, dass man sie nicht glauben kann.“ Oder will. Wahrscheinlich ist nur so zu erklären warum viele Leute schwiegen, die es vermeintlich hätten besser wissen können. Vielleicht müssen? Aber diese immer wiederkehrenden Gerüchte, sie fraßen sich in den Geist des Martin P., hinterließen eine kleine Stimme die ihm zuflüsterte: was wenn es stimmt? Kann das sein, dass tatsächlich im hauseigenen Labor Zytostatika hergestellt wurden, die unterdosiert waren oder auch gar keine therapierelevanten Inhaltsstoffe aufweisen?

P. forscht nach, vergleicht Abrechnungen mit Einkäufen, kann eine große Differenz feststellen. „Spätestens an diesem Moment war klar, die Gerüchte stimmen“, so P. Und nicht nur das, laut Staatsanwaltschaft seien Hundehaare im zur Sterilität verpflichteten Bereich gefunden worden, Peter S. sei regelmäßig in normalen Straßenschuhen in den hochsensiblen Bereich getreten – und habe somit über dies hinaus eine Verunreinigung der Medikamente billigend in Kauf genommen, wie der Bottroper Journalist David Schraven unlängst aufdeckte. Überhaupt ist es Schraven, der als erster Journalist die Hintergründe aufdeckte, im Dreck wühlte und konkrete Ergebnisse veröffentlicht. Noch so einer, der nicht schweigen will. Nach Absprache mit dem Anwalt seines Vertrauens entscheidet sich P. schließlich dafür, dem vermeintlichen Spuk ein Ende zu bereiten und Anzeige zu erstatten. „Da kommt dann richtig was auf Dich zu, die ersten Gespräche sind kein Zuckerschlecken. Aber da muss man durch“, erinnert sich P. Die schlimmsten Wochen für ihn  persönlich seien die gewesen, als klar war, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufnimmt bis hin zur Razzia im vergangenen November. P. war dabei, dufte sich nicht anmerken lassen dass er diese Untersuchung in Gang gebracht hatte. „Ein schwerer Moment, aber auch sehr befreiend“, wie er heute sagt. Es vergehen noch ein paar Tage, bis P. in die Apotheke bestellt wird. „Nach diesem Anruf war klar: ok, jetzt wissen sie es, jetzt wissen sie dass ich es war.“ Man hätte sprechen und intern eine Lösung finden sollen, so teilte man ihm laut P. in diesem Gespräch mit, man sei enttäuscht über diese Form der Illoyalität. Ein Hohn, nicht nur in P.´s Ohren, sondern auch derer der vielen Opfer des vermeintlichen Pfuschs. Es sind die Bilder, die ihn nicht loslassen und Handeln ließen. „Man stelle sich die Situation vor: ein junger Vater sitzt in einer onkologischen Praxis, seine zwei kleinen Kinder sind bei ihm. Das kleine Mädchen steht auf und sagt: Papa, Du musst gesund werden, versprichst Du mir das?“ Papa, der mindestens gepanschte Medikamente wenn nicht gar reine Kochsalzlösung in die Venen bekommt, gibt seiner Tochter ein Versprechen, das er nicht mehr wird halten können.

Wie würdest Du entscheiden?

 

Unser Redaktionstipp: Unser geschätzter Kollege David Schraven veröffentlicht seine Berichte auf correctiv.org. Zudem möchten wir Euch heute Abend die TV-Sendung Panorama um 23.30 Uhr empfehlen, die dieses Thema aufgreift.

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