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Freitag, Dezember 3, 2021

„Bottrop im Detail“ und HEZ: Auch zwei Bottroper Projekte standen im Focus

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Das Ende der Digital-Fotografie?

Keine Frage, der Schutz unserer Daten, er ist enorm wichtig – und nötig. Niemand unter uns dürfte es gutheißen, wenn seine persönlichen Daten zum Missbrauch freigegeben sind, um Werbung individuell auf uns zuschneiden zu können, Bewegungsprofile im Netz sowie im realen Leben zu erstellen, womöglich auch dafür, um Psychogramme von uns aufgrund unserer Daten anzufertigen. Jeder von uns ist – oder sollte zumindest für den Schutz seiner persönlichen Daten sein. Nun tritt aber mit der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) am 25. Mai 2018 etwas in Kraft, bei dem Sinn, vor allem aber Unsinn und gefährlicher Aktionismus zumindest hinterfragt werden sollten.

Treffen kann es jeden, vom professionellen Fotografen über den Hobby-Knipser mit Handy, dem arglosen Selfie-Poster wie den stolzen Vater, der ein Bild seines Kindes beim Sport oder der Schulaufführung knipst. Denn ab dem 25. Mai gilt, dass jede digitale Anfertigung eines Fotos, auf dem Personen zu erkennen sind, als Datenerhebung gilt. Dies rührt daher, dass Digitalkameras, Smartphones etc. nicht nur fotografieren, sondern auch vielfältige und umfangreiche Daten speichern, wie beispielsweise Uhrzeit oder Ort. Sascha Renard, Gründungsmitglied unseres Internet- sowie Facebook-Portals www.wir-lieben-bottrop.de, sieht für die künftige Online-Berichterstattung auf seinen Seiten schwarz. „Das ist ganz großer Mist und in meinen Augen der Todesstoß für jeden Fotografen. Die Anforderungen sind schlicht nicht zu bewerkstelligen. Wir erstellen Fotogalerien beim Stadtfest, Feierabendmarkt, Weihnachtsmarkt und im Grunde allem, was sich in der Stadt ergibt. Es ist nicht möglich, von jedem Menschen auf diesen Bildern die Einverständniserklärung zu bekommen, zu verwalten – und dann noch darauf zu hoffen, dass nicht ein einziger dieser Menschen seine Zustimmung zurückzieht. Hier wurde nach meiner Meinung ohne Sinn und Verstand mit billigem Aktionismus und einer erschreckend großen Anhäufung purster Ahnungslosigkeit etwas weltfremdes auf den Weg gebracht, der vielen Menschen den Arbeitsplatz nehmen wird“, so Sascha Renard. In der Tat wird es für Branchen im Bereich Sportfotografie, Hochzeitsfotografie sowie Eventfotografie äußerst dünn werden. Streng genommen ist bereits die Erstellung eines digitalen Fotos ein Rechtsverstoß. Ein Selfie aus dem Freibad? Liegt eine andere Person erkennbar im Hintergrund: Rechtsverstoß.

Ein Schnappschuss vor dem Eiffelturm mit digitaler Kamera: Rechtsverstoß. Opas 90. Geburtstag im Restaurant? Hat nicht jeder der geladenen Gäste sein Einverständnis schriftlich dokumentiert – von Unbeteiligten wie anderen Gästen, Kellnern etc. nicht zu sprechen: Rechtsverstoß. Immerhin, mit drohenden Strafen von bis zu 20 Millionen Euro lässt sich zumindest kein vollkommener Wahnsinn bei den Gesetz-Erstellern nachweisen. Man müsste fast lachen, wäre es nicht zu traurig. Aber es gibt auch diejenigen, die zunächst einmal in Ruhe weiterarbeiten können. Bei Michael Kaprol, den alle nur als Kappi kennen und der wohl Bottrops bekanntester Fotograf ist, schlagen derzeit zwei Herzen in der Brust: „Als Pressefotograf für den Stadtspiegel kommt mir eine Ausnahmeregelung zu Gute, die bestehende Presse-Institutionen derzeit noch verschont“, so Kappi. Allerdings: Auf dem Sektor der künstlerischen Fotografie, in der Kaprol ebenfalls seit Jahrzehnten zu Hause ist, könnte auch auf ihn und seine Kollegen Ärger zukommen. Von weiteren Ausnahmen ist derzeit die Rede, beispielsweise, wenn ein öffentliches Interesse vorliege. Doch was genau ist ein öffentliches Interesse, was gehört dazu? Und vor allem: wer entscheidet dies? Es sind die Gerichte, da sind sich die Medienanwälte in Deutschland überwiegend einig. Die Rechtsanwälte Rieck und Partner formulieren auf ihrer Informationsseite zum Thema DSGVO folgendermaßen als Fazit, welches wir an dieser Stelle veröffentlichen wollen:

„Die Anfertigung und Nutzung von Aufnahmen von bzw. mit Personen wird in Deutschland ab dem 25. Mai 2018 ganz erheblichen Rechtsunsicherheiten ausgesetzt. Digitale Street Photography, Sportfotografie, Konzertfotografie, Hochzeitsfotografie und alle Bereiche, die absichtlich oder unabsichtlich Personen abbilden, werden bis auf weiteres nur noch unter Eingehung eines ganz erheblichen Risikos möglich sein.

Die DSGVO setzt das bewährte KUG außer Kraft, außer für

  • Beschäftigte bei den klassischen Medien Rundfunk und Presse,
  • reine Analog- Fotografie,
  • reine private Aufnahmen im engen persönlichen und Familien-Kreis, soweit nicht im Internet veröffentlicht werden,
  • Aufnahmen von Verstorbenen.

Damit ist grundsätzlich eine umfangreiche Information und dokumentierte Einwilligung der abgebildeten Personen erforderlich, wenn nicht eine der wenigen Ausnahmen vom Einwilligungs-Erfordernis (siehe unten „7 Tipps für die Foto-Branche“) vorliegt. Ob diese Ausnahmen tatsächlich  vorliegen, wird in vielen, kostspieligen, langwierigen Gerichtsprozessen zu klären sein. Der deutsche Gesetzgeber hat diesen drohenden Konflikt zwischen Persönlichkeits- und Datenschutzrechten sowie dem Recht auf freie Meinungsäußerung offenbar absichtlich offen gelassen und die Klärung damit ohne Not den Betroffenen und den Gerichten überlassen, im Gegensatz zu anderen Mitgliedstaaten der EU.“

 

Das heißt: abwarten, bis die ersten Säue durchs Dorf getrieben und verurteilt sind – und darauf hoffen, nicht selber zu den „armen Schweinen“ zu gehören. Gewissheit wird sich demnach erst in einigen Jahren einstellen.

 

Unsere Informationsquellen:

https://www.juraforum.de/lexikon/panoramafreiheit

https://www.ipcl-rieck.com/allgemein/wissen-zur-dsgvo-7-tipps-fuer-fotografen.html

https://www.lead-digital.de/dsvgo-vorsicht-kamera/

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