Der Alltag kehrt zurück

Die Gesichtszüge, sie haben sich entspannt, die Augen spiegeln die ursprüngliche Freundlichkeit und Gelassenheit wider. Von der Anspannung der vergangenen Wochen, Monate, sogar Jahre ist wenn dann nur noch wenig zu sehen. Mit dem Urteilsspruch gegen den Apotheker Peter Stadtmann endete für den Bottroper Martin Porwoll eine fast dreijährige Gefühls-Odyssee, in der der Whistleblower eines gelernt hat: Du machst Dir nicht nur Freunde, wenn Du einen Verbrecher zur Strecke bringst.

Zwölf sind es am Ende geworden. Zwölf Jahre für ein Verbrechen, das noch immer sprachlos macht und nicht nur Opfer und Hinterbliebene mit ohnmächtiger Wut zurücklässt. Die Urteilsverkündung hat sich Martin Porwoll natürlich nicht entgehen lassen. Er, der maßgeblich daran beteiligt war, dass der Apotheker, dessen Namen es nicht wert ist genannt zu werden, endlich über seine eigene Gier und seine abgrundtiefe Gewissenlosigkeit stolperte. „Ich wollte da sein, ich musste da sein. Ich wollte die Reaktion in seinem Gesicht sehen, wenn er für seine Untaten verurteilt wird“, sagt Martin Porwoll, der für seinen Einsatz bei der Aufdeckung des Apotheken-Skandals um gepanschte Krebsmedikamente gemeinsam mit seiner Kollegin Marie Klein den Whistleblower-Preis erhielt. Die Reaktion beim Verurteilten, sie blieb aus. Was bleibt sind zwölf Jahre Knast – und Menschen, die sich immer weiter fragen werden: was wäre gewesen, wenn ich, wenn meine Angehörigen ordnungsgemäß versorgt worden wären. Könnte der geliebte Mensch, der treue Freund noch am Leben sein? Vor rund zweieinhalb Jahren setzte Martin Porwoll, damals Mitarbeiter der Alten Apotheke, die wie ein Mahnmal des Schreckens inmitten der Bottroper Innenstadt ihre Schatten auf die Bürgerinnen und Bürger schmeißt, die Ermittlungen gegen den Apotheker und seine Machenschaften mit seinen Recherchen in Gang.

„Es war eine brutale Zeit für mich und meine Familie, aber jetzt kehrt der Alltag zurück und wir können endlich wieder alle nach vorne schauen“, sagt der Mann, der höchstwahrscheinlich die Leben so zahlreicher Menschen gerettet hat. Held nennt man so einen mutigen Mann woanders. Nestbeschmutzer und Verräter schimpfen ihn noch heute die Einfältigen, die einfach nicht begreifen wollen. Oder können.  Porwoll ist das egal, er hat sich in den vergangenen Jahren ein dickes Fell zugelegt, oder eher zulegen müssen. „Ich brauche keine Schulterklopfer, weder von offizieller, noch von bürgerlicher Seite. Ich habe das Richtige getan und aufgedeckt, welche Machenschaften in der Alten Apotheke vor sich gingen. Ich bin mit mir im Reinen und würde es jederzeit wieder tun. Es sind die, die bis heute Schweigen, denen der Unmut ins Gesicht wehen sollte“, sagt der Bottroper. Die Frage, die derzeit allerorten heiß diskutiert wird: sind zwölf Jahre plus Berufsverbot angemessen? „Ich kann die Menschen verstehen die sagen: nein, es ist zu wenig. Aber man muss sich eines verdeutlichen: dieses Urteil besitzt immense Aussagekraft. Was muss man in Deutschland tun, um zwölf Jahre ins Gefängnis zu kommen? Dieses Urteil spricht Bände über die Grausamkeit dieses Verbrechens, das hat der Richter absolut zum Ausdruck gebracht“, so Martin Porwoll.

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