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Dienstag, September 28, 2021

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Stadt und jüdische Gemeinde erinnern an die Reichspogromnacht

Am Donnerstag, 8. November 2018, gedachten Stadt und jüdische Gemeinde in der Tourneaustraße den schrecklichen Ereignissen von 1938. Deutschlandweit jährt sich der Gedenktag an die Pogrome jener Tage des 9. und 10. November als im gesamten Gebiet des Deutschen Reiches Synagogen in Flamme standen, jüdische Geschäfte zerstört und geplündert wurden und Gewaltexzesse über die jüdische Bevölkerung nieder gingen.

Eine neue Studie der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte, die am Montag, 5. November 2018 vorgestellt wurde, zeigt, dass die Zahl der Opfer wesentlich höher war, als bisher angenommen. Die Historiker konnten belegen, dass allein in Nordrhein-Westfalen etwa 120 Menschen getötet wurden, an den Spätfolgen ihrer Misshandlungen starben oder Selbstmord begangen haben. Die bisherige Zahl von 91 getöteten Opfern im gesamten Reichsgebiet stützte sich in erster Linie auf Angaben des NS-Staates selbst. Die Forscher gehen jetzt von zwischen 400 und 1.300 Menschen im gesamten Reichsgebiet aus.

Auch in Bottrop wurden in dieser Nacht jüdische Geschäfte demoliert, jüdische Bewohner aus ihren Wohnungen gezerrt, zum Teil auf das Schwerste misshandelt und in sogenannte „Schutzhaft“ genommen. Das belegen Polizeiakten von 1938. Sie und andere Quellen, sowie Berichte von Zeitzeugen rücken die Ereignisse vor 80 Jahren unmittelbar in die Gegenwart. Bei den Pogromen wurde der Betsaal in der heutigen Tourneaustraße der damaligen jüdischen Gemeinde, der mehr als 200 Menschen angehörten, ebenfalls verwüstet. Heute steht auf dem Bürgersteig gegenüber eine Gedenktafel auf einer von dem Bottroper Künstler Guido Hofmann gestalteten Stele.

„In Zeiten des Wiedererstarkens des in Deutschland überwunden geglaubten Antisemitismus und auch vor dem Hintergrund zunehmender Aktivitäten rechtsgerichteter und neonazistischer Kreise ist es wichtiger denn je, die Erinnerung an diese schreckliche Zeit aufrechtzuerhalten“, sagte Oberbürgermeister Bernd Tischler.

© Stadt Bottrop

„Diese zwölf Jahre, sind kein Fliegendreck in der Deutschen Geschichte. In dieser Zeit ist der Großteil meiner Familie getötet worden“, sagte Judith Newald-Tasbach, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen-Bottrop, Gladbeck. Vehement wandte sie sich gegen ein neues Erstarken des Antisemitismus in Deutschland. Der Antisemitismus habe viele Formen. Nicht nur die Rechten seien seine Träger. „Mittlerweile gibt es auch neue Formen eines Antisemitismus von links und eines islamischen Antisemitismus.“

Zum kulturellen Rahmen der Veranstaltungen trugen Schülerinnen und Schüler der Cyriakusschule bei. 1938 war Joseph Dortort Schüler an ihrer Schule. Joseph Dortort, der heute in London lebt und von dem ein Großteil seiner Familie Opfer der NS-Zeit wurde, hat seit einigen Jahren regen Kontakt zur Schule und diese auch persönlich besucht. Den Schülern erzählte er aus seinem Leben und seinen Erlebnissen und wie er mit Glück die Nazizeit überleben konnte. Mittlerweile ist aus seinen Erzählungen ein Kinderbuch entstanden, mit dem vor allen Grundschüler angesprochen werden können. Neben Episoden aus dem Buch, die von Schülern vorgelesen wurden, sang ein Schulchor bekannte jüdische Lieder in hebräischer Sprache.

Fotos: © Stadt Bottrop

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