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Mittwoch, Februar 24, 2021

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Eröffnung des neuen B12-Anbaus des Kulturzentrums Bottrop verschoben

Skulpturenausstellung von Gereon Krebber im Impfzentrum Bottrop

Besondere Zeiten erfordern besondere Kreativität

Eigentlich hätte Gereon Krebber mit seinen Skulpturen in Kürze den neuen Anbau B12 des Kulturzentrums Bottrop eröffnet, doch Museen sind und bleiben notgedrungen geschlossen. Kurzerhand steht jetzt eine Auswahl seiner Skulpturen im neuen Impfzentrum am Südring.

„Was könnte zur jetzigen Situation besser passen als ein Impfzentrum?“, meint der Künstler: „Ich nutze gern kunstferne Orte.“ Das Impfzentrum Bottrop ist in einem ehemaligen Indoor-Golf-Center untergebracht; in der Hallenmitte befindet sich das große „Putting Green“. Der Kunstrasen musste hygienisch mit Plane abgedeckt werden und war fürs Impfen nicht weiter zu nutzen. Da kam die Idee, das ehemalige „Putting Green“ skulptural zu bespielen.

„Es ist eine Spontan-Ausstellung an einem ungewöhnlichen Ort“, erläutert Katrin Reck, Kuratorin des neuen B12-Raums, „kurzentschlossen und mit Unterstützung von Feuerwehr, Polizei, THW und Stadt konnte Krebber im neuen Impfzentrum seine Skulpturen aufbauen.“ Die Idee hatte Immobilienbesitzer Karsten Helmke. Er ermöglicht Krebber seit Jahren, auf demselben Gelände Skulpturen zu lagern. Das wiederum ermöglichte, direkt eine Ausstellung zusammenzustellen und zu präsentieren. Die Arbeiten mussten bloß um das Gebäude gefahren werden –kostenfrei für die Stadt, schnell und unkompliziert für den Künstler. Es dürfte bundesweit das einzige Impfzentrum sein, das gleichzeitig eine Kunstgalerie ist.

Die Präsentation wirkt anders als in klaren weißen Räumen, die wir von Museen gewohnt sind und die auch der neue Anbau des Kulturzentrum August Everding bietet. „Gegebenheiten sind Gelegenheiten“, kommentiert der Künstler pointiert. Als erstes verwandelte Krebber die ausgelegte Plane mit Klebeband in eine Bodencollage. Die unregelmäßig verteilten, länglichen Striche des Paketbands erinnern ihn an eine „präparierte Lösung unter dem Mikroskop, passend zu den Vorgängen, die gerade unablässig unser Thema sind“.

Auf dieser Bodengrafik präsentiert Krebber plastische Arbeiten aus den letzten zwanzig Jahren. Die älteste Arbeit ist eine mattweiß glasierte Keramikkugel (Schneeball, 2000), die er noch als Student an der Kunstakademie gefertigt hat. Als würde sich ein Kreis schließen, ist die aktuellste Arbeit auch eine Keramik (Agiens, 2020): Der eingedellte Kegelhut ist verformt und schimmernd glasiert.
Massiv jedoch leicht wirkt „Phinea“ (2010), ein liegender, halber Zylinder aus Bauschaum. Als würden kleine Würmer in der Innenhälfte wimmeln und krabbeln, wirken die Chemiespaghetti fast lebendig und sind mit schwarzer und silberner Farbe begossen und besprüht. Die Arbeit war vor Jahren im Museum Lehmbruck zu sehen, hier bekommt sie im Corona-Kontext eine andere Brisanz: „Beim Virus weiß man ja auch nicht, ob es tot oder lebendig ist, in uns wird es jedenfalls gefährlich lebendig“, sagt der Bildhauer. „Bildhauer versuchen seit jeher, totem Material Leben einzuhauchen. Aber das bleibt meist glücklicherweise rein visuell.“ Seine Skulpturen wirken häufig, als würden sie im Inneren rumoren und fremdartiges Leben bergen.

Die Auswahl war „schwieriger als gedacht“, erzählt der Bildhauer. Aufgrund des strikten Brandschutzes mussten einige Arbeiten wieder gehen, weil nur schwer entflammbare Materialien der Baustoffklasse „B1“ zulässig waren. Trotz dieser Auflagen sind die Skulpturen in Materialien, Oberflächen und Volumen unterschiedlich und kontrastreich. Mobiles hängen von der Decke, bei denen zerbrochene Gehwegplatten irritierend nah an Spiegeln vorbeistreifen. Die Spiegel sind teils transparent geschliffen, teils reflektieren sie hell das Hallenlicht. An der Säule lehnt eine neonfarbige, glatte Planke mit Eselsohr-Knick (Planke pink, 2008), daneben neigt sich ein wild überwucherter, grüner Block leicht nach vorn (Fitting, 2016-18). Mittig steht grazil eine Doppelskulptur aus Stahlkreisen, die mit gefärbten Spaghetti behangen sind (Spaghettitrockner, 2007). Nach hinten schließt eine liegende, rosafarbene Figur (Puppe, 2007) aus Spachtelmasse und Styropor die Präsentation ab. „Spannend für mich ist die Bandbreite bei meinem Covid/B1-Remix“, erklärt der Künstler: „Die Arbeiten sind exemplarisch plural und divers, ganz so wie unsere Gesellschaft.“

Krebber will sich nicht damit zufrieden geben, dass die Museen derzeit keine Rolle spielen. Für ihn kann seine Kunst „deplatziert“ und „invasiv“ sein. Das Störmoment ist für ihn künstlerische Geste. Für Krebber sind Unorte und widrige Umstände sogar gut, weil der Künstler einen Gegendruck erfährt und die Kunst gerade durch diesen Umstand mehr Kraft gewinnt, um sich zu behaupten. Im Impfzentrum lässt sie sich zunächst nicht einordnen. Er sagt: „Man wird als unvoreingenommener Besucher vor den Kopf gestoßen, erfährt Dinge, die man gar nicht erfahren will, weil man ja zum Impfen kommt. Aber vielleicht wundert man sich dann, was es mit dem komischen Wurmfortsatz aus Bauschaum auf sich hat.“

„Ich illustriere nicht das Corona-Virus“, grenzt der Künstler sich ab: „Die Arbeiten gab es vor der Pandemie, es wird sie danach weiter geben. Nur die Bodengrafik wird die Pandemie nicht überleben. Viele meiner Arbeiten sind temporär, die ausgestellten Plastiken sind dauerhaft.“ Krebber reicht es nicht, seine Ausstellung als „bloße Ablenkung von unserem Impfschicksal“ aufzufassen. Er argumentiert mit einem „eigenen Anteil des Betrachtenden“, der in dieser Situation anders sei als im Museum: „Wer wegen möglicher Impfreaktionen eine halbe Stunde auf dem Stuhl zu warten hat, kann seinen Blick schweifen lassen und sich Fragen stellen: Was ist das, was da gerade in mich hineingekommen ist? Was ist das, was da gerade vor mir ist?“ Zwar sei das Virus „unsichtbar und unfassbar winzig“, seine Arbeiten sind im Gegenteil teils „unmittelbar präsent und monströs groß“. Zu erfahren sei jedoch an seinen Skulpturen eine „prekäre Körperlichkeit, welche die eigene erträglicher machen kann.“ Er erklärt weiter: „Was wir bloß passiv hinzunehmen haben, können wir im Wahrnehmen aktiv selbst weiterverarbeiten. Als sehende Praxis verstanden, kann uns Kunst durch seelischen Mitvollzug entlasten. Kunst ist Bannung, wenn sie unsere Zwiespalte greifbar macht.“ Krebber hofft auf „Analogieschlüsse gerade an diesem Ort“: „Wir sehen deformierte Keramiken, eine liegende Figur und fragil im Gleichgewicht hängende Mobiles. Wir können kaum erkennen, was das eigentlich ist. Was zeigt sich hier? Weil die Skulpturen uns ähnlich befremden wie die momentane Situation, projizieren wir vielleicht unsere eigene Lage auf das Ding gegenüber. Und – schwupps- ist es aus uns herausgetreten und steht direkt vor uns. In Dingen können seelische Momente plastisch gefasst sein. Diese wiederzuerkennen, hilft uns möglicherweise mit uns selbst umzugehen.“

Manches davon ist Teil seiner künstlerischen Lehre an der Kunstakademie Düsseldorf. „Bau das mal“, rät er häufig dem künstlerischen Nachwuchs. Krebber (48) ist in Bottrop aufgewachsen. Er hat auch selbst an der Kunstakademie Düsseldorf studiert und dort mit Skulpturen begonnen. Nach dem Bildhauerei-Studium bei Tony Cragg und Hubert Kiecol ist er ans Royal College nach London gewechselt. Wieder zurückgekehrt lehrt er jetzt dort, wo er selbst angefangen hat. An der Kunstakademie Düsseldorf unterrichtet Krebber als Professor im Orientierungsbereich, dem ersten Jahr an der Akademie. Vielleicht lernen Studierende von ihm, mehr Risiken einzugehen und Bedingungen zu nutzen, die anderen als zu schwierig erscheinen.

Seine Ausstellung in Bottrop ist ab dem 1. Februar zu sehen, wenn das Impfzentrum planmäßig seinen Betrieb aufnimmt. Eine Eröffnung gibt es selbstredend nicht. Die Ausstellung ist vorerst leider nicht frei zugänglich, sondern nur mit Impftermin zu sehen. Eine spätere Öffnung ist angedacht.
„Covid/B1-Remix“, wie Krebber seine Ausstellung im Impfzentrum nennt, ist Teil 1. „Teil 2 im neuen Anbau B12 folgt, sobald es wieder möglich ist. Wir wissen nicht, wann wir eröffnen können“, sagt Katrin Reck: „Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“ Der Starttermin des neuen Begegnungszentrums für Kunst und Kultur wird sich auf ungewisse Zeit verschieben. Der Erweiterungsbau an der Blumenstraße in der Bottroper Innenstadt ist frisch fertiggestellt; innen wird nur noch an einigen Stellen am Gebäude weiter gearbeitet. Auch wenn die Türen verschlossen bleiben müssen, bleibt der Kuratorin genug zu tun, alles einzurichten und Krebbers Ausstellung vorzubereiten. Reck verspricht: „Teil II mit dem Titel ‚Was ich Dich noch fragen wollte’ zeigt vornehmlich aktuelle Arbeiten und eröffnet dann endlich den neuen Anbau des Kulturzentrums. Vorher hilft nur Impfen –nicht nur um Krebbers Skulpturen zu sehen.“

Gereon Krebber – Skulpturen
Teil 1: ‚Covid/B1-Remix’, Impfzentrum Bottrop, Südring 79, 46242 Bottrop
Teil 2: ‚Was ich Dich noch fragen wollte’, Eröffnungsausstellung B12, neuer Anbau Kulturzentrum Bottrop, Blumenstr. 2-4, 46236 Bottrop

Text: Stadt Bottrop
Foto: Gereon Krebber

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