
Sozialdezernentin Karen Alexius-Eifert, Michaela Bosy (ESB), Sozialamtsleiter Sascha Borowiak, Oliver Balgar (ESB), Michael Althammer, Leiter des Kommunalen Ordnungsdienstes und Timo Tolksberg (Sozialamt) haben das Projekt in einem Pressegespräch vorgestellt.
Seit Jahren gibt es insbesondere im Ruhrgebiet eine steigende Zahl an Menschen ohne festen Wohnsitz. Während ein großer Teil zwar vorübergehend bei Bekannten unterkommt, wächst die Zahl derer, die tatsächlich auf der Straße leben und Gefahren wie Witterung ausgesetzt sind. Deshalb informiert die Stadt Bottrop mit zahlreichen Partnern über ihre Strategie zur Unterstützung wohnungsloser Menschen. Im Fokus steht die Weiterführung der sogenannten Kältehilfen.
Für das Projekt Kältehilfen kooperieren die Evangelische Sozialberatung (ESB), der Kommunale Ordnungsdienst (KOD), das Sozialamt sowie Polizei und Feuerwehr miteinander und bringen auch dieses Jahr verstärkt Hilfen auf den Weg.
„Die Beratungsstelle kann Mittel abrufen, die das Land zur Verfügung stellt, die nutzen wir, um warme Sachen anzuschaffen“, erklärt Michaela Bosy von der Evangelischen Sozialberatung. Diese umfassen warme Schlafsäcke und Isomatten, wärmende Kleidung wie Handschuhe, Schals, Mützen und dicke Winterjacken sowie Lebensmittelgutscheine. Die Hilfsgüter werden bei der ESB und an einem dezentralen Ort deponiert, sodass alle Beteiligten über einen Code jederzeit darauf zugreifen können.
In diesem Jahr neu ist die Ausweitung der Hilfsdepots auf Kirchhellen. Der neue Standort wurde in Absprache mit dem Bezirksbürgermeister Hendrik Dierichs festgelegt. Dieser habe das Projekt ausdrücklich begrüßt. „Wenn man gerade die Leute überzeugt hat, muss es schnell gehen“, betont Michael Althammer, Leiter des Kommunalen Ordnungsdienstes. „Und wenn man dann von Kirchhellen erst wieder nach Bottrop zur ESB fährt, dann sind fast anderthalb Stunden vorbei – möglicherweise ist die Person dann gar nicht mehr vor Ort.“
Trotz der Hilfsangebote bleibt die Gesamtsituation herausfordernd. „Jeder Mensch kann einen Schlafplatz bekommen, dennoch gibt es viele, die das nicht in Anspruch nehmen wollen.“, sagt Michaela Bosy. Oft spielen Sucht und psychische Erkrankungen eine große Rolle. Sozialdezernentin Karen Alexius-Eifert ergänzt: „Es gibt ein sehr hohes Recht auf Selbstbestimmung, wir können niemanden zwingen.“
Aktuell sind der ESB zwölf Personen bekannt, die regelmäßig im Freien schlafen – darunter vier Frauen. „Es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass man sich den Menschen nähern darf und Hilfe anbieten oder den KOD informieren darf“, betont Oliver Balgar von der Evangelischen Sozialberatung. Bei akuter Gefahr oder medizinischem Notfall sollte unmittelbar der Notruf 112 gewählt werden.
Um die Öffentlichkeit für die Problematik zu sensibilisieren und gleichzeitig die Hilfsangebote sowie wichtige Kontaktnummern zugänglich zu machen, wurde im vergangenen Jahr ein Flyer entwickelt. Dieser informiert über wichtige Anlaufstellen und Kontaktnummern, die obdachlose Menschen und helfende Bürgerinnen und Bürger in Anspruch nehmen können. Die Flyer sind ab sofort wieder bei Gewerbetreibenden in der Innenstadt und an öffentlichen Orten erhältlich. Damit reagiert die Stadt auf die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger. „Letztes Jahr haben sich ganz viele Menschen an unterschiedlichen Stellen gemeldet, die sich Sorgen um wohnungslose Menschen gemacht haben“, berichtet Sozialdezernentin Karen Alexius-Eifert.
Timo Tolksberg, Sozialarbeiter der Stadt Bottrop, lobt die Hilfsbereitschaft der Gewerbetreibenden: „Ich finde es super, dass die Geschäftsleute in Bottrop so bereitwillig die Flyer auslegen.“ Diese informieren ihn zudem, wenn eine Person vor ihrem Geschäft übernachtet. „Das wird von vielen geduldet, solange die Person den Platz am Morgen sauber verlässt“, erläutert Sozialamtsleiter Sascha Borowiak.
Die Stadt Bottrop und ihre Partner gehen das Thema Wohnungslosigkeit breit und strategisch an. Neben den Kältehilfen spielt auch die Sicherung von Wohnraum eine zentrale Rolle. Mit dem Projekt „Dach & Fach“ unterstützt die Stadt z.B. nachhaltig dabei, Wohnungsverluste zu verhindern und Menschen langfristig zu stabilisieren.
(c) Text/Foto: Stadt Bottrop