
Im Alter von 92 Jahren ist am frühen Sonntagmorgen, 11. Januar, Prälat Rolf Linse verstorben.
Vielen Menschen in Bottrop wird er vor allem durch seinen unermüdlichen und jahrzehntelangen Einsatz für die Indienhilfe in Erinnerung bleiben. Im August 1972 war sie von ihm gegründet worden, fünf Jahre später wurde daraus die „Indienhilfe Bottroper Realschüler“. Bis vor einigen Jahren stand Prälat Linse noch regelmäßig auf dem Bottroper Markt, um fair gehandelte Produkte zu verkaufen, deren Erlös der Indienhilfe zugute kam.
Am 11. Februar 1960 wurde der gebürtige Duisburger zum Priester geweiht. Nach Stationen in Essen, Hattingen und Gladbeck kam er ab 1. Februar 1977 als Religionslehrer nach Bottrop und als Subsidiar nach St. Bonifatius. Ab Ende des Jahres 1977 arbeitete er bis zu seiner Entpflichtung 20 Jahre später als Realschulpfarrer an der Gustav-Heinemann-Realschule und an der Marie-Curie-Realschule. 1989 wurde er außerdem zum Diözesanseelsorger für Blinde ernannt. Mit seinen Schülerinnen und Schülern der Marie-Curie- sowie der Gustav-Heinemann-Realschule, die ihm auch beim Verkauf auf dem Markt halfen, rief er unzählige Aktionen für Indien ins Leben. Oft war Linse dabei mit einer selbstgebauten Drehorgel unterwegs.
Begonnen hatte die Idee für die Indienhilfe mit dem Besuch eines indischen Karmeliterpaters. 1972 verbrachte dieser sechs Wochen lang in Linses Haushalt, um Deutsch zu lernen. Da der Pater viel über seine Heimat und über die notwendige Hilfe vor Ort erzählte, wurde bei Linse der Wunsch geweckt, den Menschen in Indien zu helfen. Was mit der Unterstützung von Jungen mit Behinderung und deren Ausbildung begann, weitete sich im Laufe der Zeit unter anderem auch auf Hilfe für mittellose kranke Menschen, den Bau von Schulen, Krankenhäusern und Kirchen, ebenso auf die Ausbildung und Unterstützung von Mädchen, Ordensfrauen und Priesternachwuchs aus.
28 Mal war Prälat Linse in den vergangenen fünf Jahrzehnten in Indien, fünfmal in Begleitung von Schülerinnen und Schülern. Eine Riesensumme von fünf Millionen Euro sammelte er im Laufe der Zeit für über 80 Hilfsprojekte in zehn indischen Bundesstaaten. Durch seine Erfahrungen Propsteipfarrei St. Cyriakus entwickelte er sich zu einem Indien-Experten, der regelmäßig in Ausstellungen und Vorträgen über das Land informierte.
Zahlreichen Ehrungen hat Rolf Linse für sein Engagement erhalten. Im Jahr 2000 bekam er beispielsweise den Ehrenring des Bistums Eluru, 2002 erfolgte die Ernennung zum Prälaten durch Papst Johannes Paul II., 2004 bekam er die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen, 2016 schließlich das Bundesverdienstkreuz am Bande. Für ein Engagement, das seinesgleichen sucht.
Am Freitag, 16. Januar, 18 Uhr, wird mit der Totenvesper in St. Cyriakus, Kirchplatz 1, Abschied von Prälat Linse genommen. Am Samstag, 17. Januar, 9 Uhr, wird dort auch das Auferstehungsamt gefeiert. Im Anschluss erfolgt die Beisetzung auf dem Alten Friedhof, Horster Straße 57.