Baustart für das XXL-Projekt “Freiheit Emscher” zwischen Bottrop und Essen

Es kann nun endlich losgehen mit der Renaturierung der Aspelflötte: Den ersten symbolischen Spatenstich setzten am Mittwoch (21.1.) Prof. Dr. Frank Obenaus (Vorstandsmitglied Emschergenossenschaft), Gernot Pahlen (Geschäftsführer Freiheit Emscher), Prof. Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender Emschergenossenschaft), Matthias Buschfeld (Oberbürgermeister der Stadt Bottrop), Michael Kalthoff (Vorstandsvorsitzender RAG Aktiengesellschaft), Harry Tiedtke (Projektleiter Emschergenossenschaft) und Bettina Gruber (Gebietsmanagerin Emschergenossenschaft). Im Hintergrund ist der noch technisch überformte und mit Betonsohlschalen ausgekleidete Gewässerabschnitt der Aspelflötte zu erkennen. Foto: © Ilias Abawi

Freiheit Emscher: Emschergenossenschaft beginnt mit dem Umbau des Gewässers, die Stadt Bottrop baut parallel den Gewerbeboulevard in der Welheimer Mark

Im Rahmen des interkommunalen Stadtentwicklungsprojektes „Freiheit Emscher“ setzt die Emschergenossenschaft den wasserwirtschaftlichen Umbau der Aspelflötte sowie die Anbindung des Schäpersbachs an die Aspelflötte um. Dabei wird nicht nur die bestehende Trasse der Aspelflötte renaturiert und aufgewertet – auch bislang unterirdisch verrohrte Abschnitte werden offengelegt und neu modelliert. Gemeinsam mit den Partnern der Stadt Bottrop, der RAG Aktiengesellschaft und der Freiheit Emscher Entwicklungsgesellschaft mbH wurde am Mittwoch (21.1.) der erste Spatenstich gesetzt. Der symbolische Startschuss gilt zugleich auch dem Baustart für den Gewerbeboulevard, den die Stadt Bottrop parallel in der Welheimer Mark umsetzt.

Ursprünglich waren sowohl die Aspelflötte sowie der Schäpersbach direkt an die Emscher angeschlossen. Infolge von bergbaubedingten Bodensenkungen in der Welheimer Mark kam es jedoch zu Abflussproblemen, weswegen die natürliche Vorflut der Gewässer verloren ging und diese stattdessen an die unterirdische Kanalisation angebunden wurden. Dieser ökologische Missstand wird im Zuge des Großprojektes „Freiheit Emscher“ behoben. Der nun gestartete Gewässerumbau dient der Schaffung einer nachhaltigen Entwässerung für das neu entstehende Gewerbegebiet, indem die Aspelflötte und der Schäpersbach an die Boye und somit an das Emscher-System angebunden werden. Durch die künftige Ableitung wird neben dem Pumpwerk Schäpersbach insbesondere das Pumpwerk Piekenbrocksbach entlastet.

Der Bau neuer Gewässerabschnitte bzw. die Umgestaltung der vorhandenen Abschnitte der Aspelflötte dient der ökologischen Aufwertung des Gewässers. Auf einer Länge von zirka 930 Metern wird die Aspelflötte im aktuellen Bestand von Betonsohlschalen befreit und naturnah umgestaltet, während das Gewässer auf einer Länge von insgesamt zirka 1265 Metern komplett neu angelegt und modelliert wird. Zur Anbindung des Schäpersbachs an die Aspelflötte wird die Emschergenossenschaft die Bahnlinie im nördlichen Projektbereich mit einem rund 100 Meter langen Rohrvortrieb (Innendurchmesser: zwei Meter) unterqueren müssen. Die Fertigstellung des gesamten Gewässerumbaus ist für Ende 2028 geplant.

Neue Rad- und Fußwege entstehen
Durch die Verknüpfung mit den Maßnahmen der Stadt Bottrop zum Neubau des Gewerbeboulevards und des geplanten Gewerbegebietes Freiheit Emscher wird die Aspelflötte in den kommenden Jahren im öffentlichen Raum sicht- und erlebbar: Im Zuge der Bachrevitalisierung baut die Emschergenossenschaft gewässerbegleitende Wege auf einer Länge von zirka 1.900 Metern. Davon werden rund 960 Meter zu Fuß- und Radwegen ausgebaut, welche auch an den neuen Fuß- und Radwegen des Gewerbeboulevards und des neuen Gewerbegebietes angebunden werden.

Die Gesamtkosten für den wasserwirtschaftlichen Umbau der Aspelflötte liegen bei zirka 24,1 Millionen Euro. Rund 16,3 Millionen Euro an Fördermitteln erhält die Emschergenossenschaft aus dem Just Transition Fund (JTF) des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union. Die Stadt Bottrop und die RAG beteiligen sich mit einem Eigenanteil von jeweils rund 2,7 Millionen Euro, die Emschergenossenschaft übernimmt rund 2,4 Millionen Euro.

Bau des Gewerbeboulevards beginnt
Das Vorhaben zum Bau des Gewerbeboulevards ist ebenfalls ein Teil des Kooperationsprojektes Freiheit Emscher. Er soll im Bottroper Süden und im Essener Norden die ehemals bergbaulich genutzte Flächen verkehrlich erschließen. Ziel ist die Realisierung eines Abschnittes des Gewerbeboulevards als erster Baustein zur Entwicklung des Gewerbegebiets Welheimer Mark.

Die Maßnahme umfasst den Ausbau der öffentlichen Verkehrsflächen in der Straße „In der Welheimer Mark“ auf einer Länge von rund 550 Metern zwischen der Lüningstraße und dem Haverkamp. Im Zuge dieser Ausbauarbeiten wird ebenfalls der Entwässerungskanal (Schmutz- und Regenwasser) in offener Bauweise auf einer Gesamtlänge von rund 900 Metern erneuert.

Der Gewerbeboulevard kann nicht in einem Schritt über die gesamte Länge gebaut werden, sondern wird in Abschnitten realisiert. Der Bau des ersten Abschnitts zwischen der Hausnummer 152 und Haverkamp, mit dem bereits am Montag (19.1.) begonnen wurde, dauert voraussichtlich bis Anfang Juni 2026. Er ist die Basis für die Erschließung des Projektraums Freiheit Emscher auf Bottroper Stadtgebiet. Ansonsten beginnen die Arbeiten mit der Schmutzwasserleitung unter dem neu herzustellenden Durchlass der Emschergenossenschaft. Anschließend wird der Durchlass hergestellt. Die Entwässerungskanäle werden dann gegen Fließrichtung in westlicher Richtung verlegt.

Danach sehen die Planungen vor, den Abschnitt zwischen Hausnummer 156 und Lüningstraße bis Ende August 2026 fertigzustellen. Der letzte Bauabschnitt liegt zwischen Lüningstraße und Hausnummer 119 und soll laut den jetzigen Planungen im Anschluss bis Ende Juni 2027 abgeschlossen sein, sofern die Arbeiten zügig durchgeführt werden können.

Die Stadt Bottrop erhält für den Ausbau des Gewerbeboulevards Fördermittelzuwendungen in Höhe von etwa 10,5 Millionen Euro. Die Zuwendungen bestehen sowohl aus EFRE-Mitteln der Europäischen Union als auch aus Mitteln des Landes Nordrhein- Westfalen. Die Gesamtkosten des Projekts betragen zirka 12 Millionen Euro. Das Projektende ist für das Jahr 2029 vorgesehen.

Stimmen zum Projekt:

Matthias Buschfeld, Oberbürgermeister der Stadt Bottrop:

„Die Renaturierung der Aspelflötte mit Anbindung des Schäpersbachs und der Anschluss an die Boye bilden das wasserwirtschaftliche Rückgrat der Entwässerung des künftigen Gewerbegebietes. Als Stadt Bottrop freuen wir uns darüber hinaus, dass wir zeitgleich auch mit dem Bau des Gewerbeboulevards beginnen können. Freiheit Emscher nimmt nun nach Jahren der Planung Fahrt auf.“

Michael Kalthoff, Vorstandsvorsitzender der RAG Aktiengesellschaft:

„Mit der Renaturierung der Aspelflötte schaffen wir einen ökologischen Mehrwert, der sich positiv auf das Emscher-System auswirkt. Das Projekt zeigt einmal mehr, dass wir die Folgen des Bergbaus konsequent aufarbeiten und damit die Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Nutzung ehemaliger Bergbauflächen schaffen. Wir investieren damit sehr bewusst nicht nur in Flächen, sondern auch in einen intakten Lebensraum für Mensch und Natur.“

Prof. Dr. Frank Obenaus, Vorstand für Wassermanagement und Technik bei der Emschergenossenschaft:

„Das Ziel der wasserwirtschaftlichen Maßnahme ist die Schaffung einer freien Vorflut für die Gewässer Schäpersbach und Aspelflötte in Richtung der Boye. Dadurch entlasten wir künftig neben dem Pumpwerk Schäpersbach insbesondere das Pumpwerk Piekenbrocksbach von nicht klärpflichtigen Wassermengen. Darüber hinaus bedeutet der Umbau der Aspelflötte nicht nur eine ökologische und optische Aufwertung des aktuell bestehenden Gewässers – vielmehr holen wir die Aspelflötte auf einer Länge von über 1200 Metern aus der Verrohrung und modellieren eine völlig neue Gewässertrasse.”

Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft:

„Mit der Renaturierung der Aspelflötte entsteht im Zuge von Freiheit Emscher ein ökologisch verbessertes und klimaresilientes Gewässer mit echter Aufenthaltsqualität. Parallel zur Bachrevitalisierung bauen wir gewässerbegleitende Wege auf einer Länge von fast 1000 Metern zu Fuß- und Radwegen aus, welche auch an die neuen Wege des Gewerbeboulevards und des neuen Gewerbegebietes angebunden werden. Die Aspelflötte als künftig blauer Bach mit grünen Ufern wertet nicht nur das Areal auf, sondern dient auch der Anpassung an die Folgen des Klimawandels – sie sorgt für Abkühlung im Sommer, gleichzeitig fangen sie im Regenfall die anfallenden Wassermengen auf. Das neue blaugrüne Leben in der Welheimer Mark bringt Mehrwerte für Menschen und Natur mit sich.“

Gernot Pahlen, Geschäftsführer der Freiheit Emscher Entwicklungsgesellschaft mbH:

„Der heutige Tag stellt für das interkommunale Stadtentwicklungsprojekt Freiheit Emscher einen großen Meilenstein dar. Es geht nun endlich los – schon bald wird das Areal mit dem neuen Gewerbeboulevard und der neuen blaugrünen Infrastruktur infolge der Renaturierung der Aspelflötte ein ganz neues Gesicht erhalten. Gemeinsam leisten wir mit dieser Maßnahme einen enorm wichtigen Beitrag zum Gelingen des Strukturwandels im Herzen des Ruhrgebietes.“


Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de

(c) Text/Foto: Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV)

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