
Pflege beginnt oft schleichend. Erst hilft man hier ein bisschen, dann übernimmt man dort mehr, und irgendwann dreht sich der Alltag fast nur noch um die Versorgung eines geliebten Menschen. Was als selbstverständliche Unterstützung beginnt, wird unmerklich zu einer Vollzeitaufgabe.
Was dabei häufig vergessen wird: Auch pflegende Angehörige brauchen Schutz, Pausen und Unterstützung. Wer dauerhaft über die eigenen Grenzen geht, riskiert nicht nur die eigene Gesundheit, sondern gefährdet langfristig auch die Qualität der Pflege.
Wenn Fürsorge zur Dauerbelastung wird
Viele Angehörige merken erst spät, wie sehr sie selbst unter Druck stehen. Der Übergang von „Ich helfe gern” zu „Ich kann nicht mehr” vollzieht sich meist schleichend. Typische Anzeichen einer Überlastung sind:
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ständige Erschöpfung, auch nach Ruhephasen
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Schlafprobleme oder ständiges Grübeln
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Gereiztheit
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Schuldgefühle, nie genug zu tun oder nicht gut genug zu sein
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das Gefühl, nie wirklich „frei” zu haben, auch im Urlaub
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Vernachlässigung eigener Gesundheit (verpasste Arzttermine, ungesunde Ernährung)
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sozialer Rückzug und Isolation
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körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Magenbeschwerden
Diese Warnzeichen ernst zu nehmen, ist kein Egoismus, sondern Verantwortung, sowohl sich selbst als auch der pflegebedürftigen Person gegenüber.
Die emotionale Last der Pflege
Neben der körperlichen Belastung wiegt oft die emotionale Komponente besonders schwer. Die Beziehung zu der pflegebedürftigen Person verändert sich: Aus Eltern werden Pflegebedürftige, aus Partnern werden Betreuer. Diese Rollenverschiebung kann schmerzhaft sein und Trauer auslösen.
Hinzu kommen oft finanzielle Sorgen, wenn die Arbeitszeit reduziert werden muss oder zusätzliche Kosten entstehen. Die Angst vor der Zukunft, vor weiterer Verschlechterung oder schwierigen Entscheidungen belastet zusätzlich. Und nicht selten gibt es Konflikte in der Familie darüber, wer wie viel übernehmen sollte.
All diese Faktoren zusammen können zu einer enormen psychischen Belastung führen, die nicht unterschätzt werden darf.
Pflege muss nicht allein getragen werden
Ein weit verbreiteter Gedanke: „Ich muss das allein schaffen.” Doch Pflege ist keine Einzelleistung. Sie ist ein Zusammenspiel aus Familie, professioneller Unterstützung und passenden Angeboten. Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie alles allein stemmen, außer vielleicht Sie selbst.
Professionelle Unterstützung anzunehmen, ist kein Zeichen von Schwäche oder Versagen, sondern von Weitsicht und Verantwortungsbewusstsein.
Konkrete Entlastungsmöglichkeiten nutzen
Es gibt zahlreiche Angebote, die pflegende Angehörige unterstützen können, viele davon werden von der Pflegekasse finanziert:
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Verhinderungspflege: Wenn Sie als Pflegeperson ausfallen (durch Krankheit, Urlaub oder einfach weil Sie eine Pause brauchen)
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Tagespflege: Ihr Angehöriger verbringt den Tag in einer Betreuungseinrichtung, wird dort versorgt und hat soziale Kontakte, während Sie zur Arbeit gehen oder einfach Zeit für sich haben können
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Ambulante Pflegedienste: Professionelle Pflegekräfte übernehmen regelmäßig bestimmte Aufgaben, von der Grundpflege bis zur medizinischen Behandlungspflege
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Kurzzeitpflege: Für Übergangszeiten oder Krisensituationen kann Ihr Angehöriger vorübergehend stationär versorgt werden, zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt
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Pflegekurse: Die Pflegekassen bieten kostenlose Schulungen an, die Ihnen praktisches Wissen und Techniken vermitteln, die den Pflegealltag erleichtern.
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