100 Tage Oberbürgermeister: Das Wir lieben Bottrop-Interview mit Matthias Buschfeld

Während der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrats am 04. November des vergangenen Jahres wurde Matthias Buschfeld (SPD) als Oberbürgermeister der Stadt Bottrop vereidigt. Nachdem er bei der Kommunalwahl im ersten Durchgang auf 38,51 Prozent der Stimmen kam, setze er sich in der Stichwahl mit 61,89 Prozent aller abgegebenen Stimmen gegen Konkurrenten Frank Kien (CDU) durch.

Heute ist Matthias Buschfeld 100 Tage im neuen Amt. Darüber haben wir mit ihm gesprochen. Das ganze Interview:

Matthias, wie waren die ersten 100 Tage im Amt?

“Turbulent. Die erste Zeit ist geprägt vom Kennenlernen von Arbeitsabläufen und vielen ganz unterschiedlichen Menschen. Ich habe alle Amtsleiter und Amtsleiterinnen kennen gelernt, mich mit den OberbürgermeisterInnen aus anderen Städten getroffen und mit vielen Vertreterinnen und Vertretern aus Vereinen und Verbänden gesprochen. 

Direkt im Dezember sind wir mit meinem Format „Offen gesagt“ (Alle Termine in unserem Veranstaltungskalender, Hin. d. Red.) in der Stadtmitte gestartet und waren im Januar in Kirchhellen. Ich freue mich sehr über den guten, konstruktiven Austausch, den wir jeweils hatten. Natürlich gab es auch kritische Fragen, aber es war sehr positiv wie wir in diesem Austausch Dinge auch in Ruhe erklären können, auch welche Lösungen wir anstreben. Man spürt deutlich, dass wir so gemeinsam viel erreichen können. 

Ich habe zusammen mit den zuständigen Dezernenten und AmtsleiterInnen unter anderem das weitere Vorgehen im Bereich Digitalisierung festgelegt und mit der Umsetzung begonnen. Viele Dinge sind schon angestoßen worden, die jetzt weiterverfolgt und entwickelt werden müssen.”

Was hat dich bisher am meisten überrascht – positiv oder negativ?

“Durch die langjährige Arbeit in der Kommunalpolitik hat mich nichts so sehr überrascht. Dass eine Verwaltung anders arbeitet – auch anders arbeiten muss – als andere Bereiche war mir klar. Zum Teil hat die Art der Arbeitsabläufe mich aber doch überrascht. Die Vorgänge in einer Verwaltung müssen natürlich rechtssicher sein. Das ist positiv, aber dadurch oft auch etwas aufwendiger und langwieriger. Da wünsche ich mir etwas mehr Agilität und daran arbeiten wir. 

Auch wenn ich das bereits kannte, überrascht mich zusätzlich, mit welcher Vehemenz einige Menschen Kritik am Leben in unserer Stadt üben. Denn die allermeisten fühlen sich hier sehr wohl.”

Gab es etwas, das du vor Amtsantritt unterschätzt hast?

“Wir, Stadt und ich als Oberbürgermeister, bekommen sehr viele Einladungen und Anfragen, dass wir bei Veranstaltungen, Treffen und Events dabei sein sollen. Ich versuche so viele Termine wie möglich wahrzunehmen und bedauere, dass ich nicht immer alles unter einen Hut bekomme. Das finde ich persönlich sehr schade, denn es ist wirklich sehr viel los, sehr viel Engagement und sehr viel gutes Miteinander.”

Was bedeutet Bottrop für dich persönlich – eher Heimat, Berufung oder Herzensprojekt?

“Alles. Bottrop ist meine Heimat, ich bin hier aufgewachsen und lebe mit meiner Familie sehr gerne hier. Die Definition von Berufung ist: mit einer Tätigkeit nicht nur den Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch Sinn und Zufriedenheit zu finden. Das finde ich in meinem Amt als Oberbürgermeister absolut. Bottrop ist für mich auf jeden Fall auch ein Herzensprojekt, ich habe mich schon lange bevor ich Oberbürgermeister werden wollte in der Kommunalpolitik engagiert, da ich gerne in Bottrop lebe und hier viel Potential sehe.”

Wenn du Bottrop einem Außenstehenden in drei Worten beschreiben müssten – welche wären das?

Vielseitig, echt, lebhaft.”

Was ist die größte Herausforderung in Bottrop?

“Die Innenstadt wieder zu beleben, und zwar nicht nur durch klassische Einzelhändler, sondern durch Events und hohe Aufenthaltsqualität. Wir müssen den Menschen etwas bieten, das sie sich nicht nach Hause bestellen können.”

Was ist die größte Chance für Bottrop?

“Wir haben in Bottrop großartige Freizeitmöglichkeiten: das Schloss Beck, den Movie Park, die Eloria, das Alpin Center, das Quadrat und das Indoor Skydiving. Für Menschen, die eher in die Natur gehen möchten, laden die Umgebung um den Heidesee, der Köllnische Wald, die Parks und auch die beiden Halden zum Spazieren oder Radfahren ein. Die IG Halde Haniel hat noch viele innovative Ideen und dort könnte ein weiterer Anziehungspunkt entstehen. Ich glaube, dass wir dieses Potential mehr nutzen können und müssen, wir brauchen mehr Hotels für die Besucherinnen und Besucher, damit die Menschen nach dem Besuch der Attraktionen in Bottrop bleiben. Mit der Gastromeile haben wir einen sehr schönen Ort zum Essen gehen oder auch einfach um sich dort aufzuhalten. Wenn wir es schaffen, die Innenstadt auch so zu beleben, dann würden sich sowohl mehr Bottroperinnen und Bottroper dort aufhalten als auch die Besucherinnen und Besucher aus anderen Städten.

Eine weitere große Chance ist das Großprojekt „Freiheit Emscher“. Es wandelt ehemalige Bergbauflächen in zukunftsfähige Gewerbe- und Industriestandorte um. Die Entwicklung schafft moderne Infrastruktur, Arbeitsplätze und fördert die Lebensqualität in Bottrop.”

Wie wichtig sind dabei auch lokale Initiativen, Vereine und Communitys?

“Ganz wichtig! Menschen schließen sich in Vereinen und Verbänden mit einem gemeinsamen Interesse zusammen, verbringen dort ihre Freizeit und können viel erreichen. So werden die einzelnen Stadtteile belebt, und diese Gemeinschaften machen eine Stadt liebenswert. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Ehrenamtlern, Ehrenamtlerinnen und allen Personen, die sich für unsere Stadt engagieren, bedanken.”

Wo wünschst du dir mehr Austausch mit den Bottropern?

“Mehr geht immer, aber ich glaube, dass ich schon viel Austausch mit den Bottroperinnen und Bottropern habe. In meiner Veranstaltungsreihe „Offen gesagt“ haben die Bürgerinnen und Bürger immer die Möglichkeit, mit mir über die Themen in ihrem Ortsteil zu sprechen und ich stehe auch im regen Austausch mit Vereinen und Verbänden. Zusätzlich kann man mich per Mail oder über meine Social-Media-Kanäle erreichen.”

Was möchtest du, dass die Bottroper.innen später über deine Amtszeit sagen?

“Ich wünsche mir, dass die Bottroperinnen und Bottroper sagen, dass sich die Stadt zum Besseren gewandelt hat und sie sich hier wohl fühlen. Und ich möchte als ein Oberbürgermeister in Erinnerung bleiben, der nah bei den Menschen ist. Und im Idealfall sind die Bottroperinnen und Bottroper so zufrieden, dass sie eine weitere Amtszeit mit mir wählen.”

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