Die Pflegesonne klärt auf: Das Pflegesystem in Deutschland

Wenn ein Angehöriger plötzlich Pflege braucht, beginnt für viele Familien eine Zeit voller Fragen. Was steht uns zu? Wo stellen wir einen Antrag? Was zahlt die Pflegekasse? Und was nicht? Das deutsche Pflegesystem ist gut gemeint, aber nicht immer leicht zu durchschauen. In diesem Artikel erklären wir Ihnen die wichtigsten Begriffe und Leistungen.

 

Der erste Schritt: der Pflegegrad

Der Pflegegrad entscheidet darüber, welche Leistungen jemand bekommt und wie viel die Pflegekasse dazu beisteuert. Insgesamt gibt es fünf Pflegegrade, wobei Pflegegrad 1 den geringsten und Pflegegrad 5 den höchsten Unterstützungsbedarf beschreibt.

Den Antrag stellen Sie bei der Pflegekasse, die in der Regel zur Krankenkasse gehört. Danach kommt ein Gutachter des Medizinischen Dienstes (MD) zu Ihnen nach Hause und bewertet die Situation anhand von sechs Lebensbereichen: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Selbstversorgung, Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen sowie Gestaltung des Alltags und soziale Kontakte. Aus dieser Bewertung ergibt sich dann der Pflegegrad.

Ein Tipp aus der Praxis: Bereiten Sie sich auf den Besuch des Gutachters vor. Notieren Sie, was die pflegebedürftige Person im Alltag nicht mehr alleine schafft, auch wenn sie an einem guten Tag vielleicht mehr kann als sonst. Der Gutachter sieht nur einen Moment, nicht den Alltag.

 

Was zahlt die Pflegekasse – und was nicht?

Wie viel die Pflegekasse übernimmt hängt vom Pflegegrad und der Art der Pflege ab. Wer zu Hause gepflegt wird, sei es durch Angehörige oder einen ambulanten Pflegedienst, hat Anspruch auf verschiedene Leistungen.

Das Pflegegeld ist eine monatliche Zahlung, wenn pflegende Angehörige, die die Pflege selbst übernehmen. Es wird nicht für professionelle Pflegedienstleistungen gezahlt, sondern soll die private Pflege anerkennen und unterstützen. Der Betrag steigt mit dem Pflegegrad und liegt zwischen 347 Euro (Pflegegrad 2) und 990 Euro (Pflegegrad 5).

Der Pflegesachleistungsbetrag hingegen ist für professionelle Pflegeleistungen gedacht, also für einen ambulanten Pflegedienst wie uns. Auch hier richtet sich die Höhe nach dem Pflegegrad. Beide Leistungen lassen sich übrigens kombinieren: Wer sowohl einen Pflegedienst als auch Unterstützung durch Angehörige hat, kann anteilig beides in Anspruch nehmen.

Daneben gibt es den Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich, der ab Pflegegrad 1 gilt und häufig ungenutzt bleibt. Er kann für hauswirtschaftliche Hilfe, Betreuungsangebote oder Alltagsbegleitung eingesetzt werden.

 

Unterschätzte Leistungen: Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege

Die Verhinderungspflege greift, wenn die pflegende Person vorübergehend ausfällt, beispielsweise durch Urlaub, Krankheit oder weil sie einfach mal eine Pause braucht. 

Die Kurzzeitpflege ist gedacht für Situationen, in denen eine vorübergehende stationäre Unterbringung nötig ist, zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt, wenn die häusliche Pflege noch nicht wieder möglich ist. 

Hier stehen bis zu 3.539 Euro jährlich als gemeinsames Budget mit der Verhinderungspflege zur Verfügung.

 

Was ist mit Behandlungspflege?

Behandlungspflege wird häufig mit Grundpflege verwechselt, dabei unterscheiden sich beide Leistungen erheblich. Grundpflege unterstützt bei alltäglichen Dingen wie Waschen, Anziehen oder Essen. Behandlungspflege hingegen umfasst medizinische Maßnahmen, die ein Arzt verordnet hat: Wundversorgung, Medikamentengabe, Insulininjektionen oder das Messen von Blutdruck und Blutzucker.

Das Besondere daran: Behandlungspflege wird nicht von der Pflegekasse, sondern von der Krankenkasse übernommen. Und: Es ist kein Pflegegrad notwendig. Wer also nach einem Krankenhausaufenthalt medizinische Versorgung zu Hause braucht, hat Anspruch auf diese Leistung, ganz unabhängig davon, ob bereits ein Pflegegrad beantragt wurde.

 

Was tun, wenn der Pflegegrad nicht passt?

Es kommt vor, dass der zugeteilte Pflegegrad nicht der tatsächlichen Situation entspricht. Das ist kein Fehler, mit dem man leben muss. Gegen den Bescheid der Pflegekasse kann innerhalb von vier Wochen Widerspruch eingelegt werden. Häufig lohnt sich das, vor allem dann, wenn der Gutachterbesuch an einem besonders guten Tag stattgefunden hat oder wichtige Aspekte nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

Auch eine Höherstufung ist jederzeit möglich, wenn sich der Pflegebedarf verändert hat. Einen neuen Antrag zu stellen ist unkompliziert und kostet nichts.

 

Orientierung statt Überforderung

Das Pflegesystem kann sich anfangs wie ein undurchdringlicher Dschungel anfühlen, doch hinter all den komplizierten Begriffen stecken Leistungen, die wirklich helfen können (vorausgesetzt, man weiß, dass es sie gibt und wie man sie beantragt).

Wenn Sie nicht sicher sind, welche Leistungen für Sie oder Ihre Angehörigen in Frage kommen, melden Sie sich gerne bei uns. Wir kennen das System und helfen Ihnen, sich darin zurechtzufinden.

 

Melden Sie sich bei uns!

Sie erreichen uns über kontakt@pflegesonne-ruhrgebiet.de oder unter 02041 7828750

Pflegesonne Ruhrgebiet

Die Pflegesonne Ruhrgebiet bietet Ihnen fachlich kompetente Pflege, Betreuung und Hauswirtschaft in Ihren eigenen vier Wänden. Als einfühlsamer Pflegedienst rund um die mobile Krankenpflege ist es uns ein Anliegen, Ihnen eine vertrauensvolle Betreuung zur Verfügung zu stellen, bei der stets der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Vordergrund steht.

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