
v.l. Pascal Broszeit, Heike Biskup und Jutta Köppchen
Mehr als 100.000 sogenannte „Stolpersteine“ erinnern inzwischen in Deutschland und darüber hinaus an die Opfer des Nationalsozialismus. Auch in Bottrop sind mittlerweile 88 dieser kleinen quadratischen Gedenksteine im Straßenpflaster vor den ehemaligen Wohnhäusern der Verfolgten verlegt. Die ersten Stolpersteine setzte der Künstler Gunter Demnig vor rund 20 Jahren in Bottrop. Seitdem kommen regelmäßig weitere hinzu. Die Koordination der Verlegungen liegt beim Stadtarchiv.
Die Steine tragen Messingplatten mit eingravierten Lebensdaten der Opfer. Durch Witterungseinflüsse werden sie jedoch mit der Zeit dunkel und sind oft kaum noch zu erkennen. Um die Erinnerungszeichen wieder sichtbar zu machen, haben sich nun engagierte Bottroperinnen und Bottroper beim Stadtarchiv gemeldet, die Pflegepatenschaften übernehmen möchten.
„Wir putzen sozusagen gegen das Vergessen und möchten, dass die Stolpersteine wieder glänzend und auffällig sind, um so ein deutliches Zeichen zu setzen in diesen schwierigen Zeiten“, erklärt Jutta Köppchen. Gemeinsam mit Barbara Hubweber und Monika Neumann hat sie sich vorgenommen, alle Stolpersteine in Bottrop zu reinigen. Zum Gedenken legen sie anschließend jeweils eine Rose neben den frisch geputzten Stein, damit dieser noch stärker ins Auge fällt.
Auch Pascal Broszeit engagiert sich für die Aktion. Der Vater von zwei Kindern im Alter von sieben und zehn Jahren möchte die Geschichte auch an seine Kinder weitergeben und sie für das Thema sensibilisieren. „Das Wichtige ist, dass wir es nicht als einmalige Aktion machen, sondern uns regelmäßig um die Steine kümmern“, betont er. Gemeinsam mit seinen Kindern hat er die Patenschaft für die Stolpersteine dreier Familien in der Bottroper Innenstadt übernommen.
Stadtarchivarin Heike Biskup begrüßt das Engagement sehr und ruft weitere Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich ebenfalls zu beteiligen. Eine Patenschaft bedeutet, regelmäßig nach einem Stolperstein zu sehen, Verschmutzungen oder Beschädigungen zu prüfen und ihn bei Bedarf zu reinigen. Mitmachen können Einzelpersonen ebenso wie Vereine, Gruppen oder Schulklassen.
Interessierte können sich beim Stadtarchiv melden. Dort wird eine Liste mit allen Pflegepatinnen und -paten geführt. Auf der Internetseite der Stadt Bottrop https://www.bottrop.de/stolpersteine steht außerdem ein Stadtplan mit den Standorten aller Stolpersteine bereit. Dort finden sich auch Informationen über die Menschen und ihre Schicksale, an die die Steine erinnern.
(c) Text/Foto: Stadt Bottrop