
Früher war Papa der, der die Witze erzählt und den Tisch unterhalten hat. Heute sitzt er am Ende der Kaffeetafel, lächelt freundlich und nickt, ab und an kommt mal ein „Ja, ja“, das nicht so recht passt.
Viele Angehörige denken zuerst an das Alter oder an Vergesslichkeit, vergessen jedoch, dass hinter solchen Veränderungen auch ein ganz simpler Grund stecken kann: Er hört einfach nicht mehr gut. Heute erzählen wir Ihnen, inwieweit ein gutes Gehör mit Lebensfreude, Sicherheit und geistiger Fitness zusammenhängt und was es mit Demenz zu tun hat.
Was die Forschung über Hören und Demenz sagt
2024 ermittelte eine internationale Expertengruppe der Fachzeitschrift „The Lancet“, dass ca. 7% aller Demenzfälle vermieden werden könnten, wenn Menschen mit Hörverlust mit Hörgeräten versorgt würden.
Wichtig ist uns eine ehrliche Einordnung: Diese Zahlen sind Modellrechnungen und werden in der Fachwelt diskutiert, laut anderen Quellen fällt die Prozentzahl etwas geringer aus. Es scheint aber Einigkeit darüber zu geben, dass Hörgeräte das Demenzrisiko verringern.
Darum macht schlechtes Hören so viel aus
Wer schlecht hört, findet oft eigene Wege, die Lücken zu füllen. Man ahnt, was der andere sagt, meidet laute Feiern oder Treffen im Café und wird in Gesellschaft schweigsamer.
Und genau hier steckt das Problem: Mit jedem gemiedenen Gespräch fehlen dem Gehirn Anregungen und der Kontakt zu anderen Menschen. Dazu kommt, dass Hörverlust auch die Orientierung erschwert, etwa im Straßenverkehr.
Das übernimmt die Krankenkasse
Schwerhörigkeit kommt meist schleichend, deshalb bemerken Betroffene sie häufig nicht oder unterschätzen sie.
Die gute Nachricht: Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf eine Hörgeräteversorgung. Der Weg führt zuerst zur HNO-Praxis, die das Hören misst und eine Verordnung ausstellt. Diese sollte innerhalb von 28 Tagen beim Hörakustiker eingelöst werden. Es gibt Geräte, die ohne Aufzahlung auskommen, sodass nur die gesetzliche Zuzahlung von 10 Euro pro Gerät anfällt. Wer ein teureres Modell wählt, muss eventuell draufzahlen.
So sprechen Sie das Thema behutsam an
Achten Sie zuerst auf typische Anzeichen: Der Fernseher läuft immer lauter, am Telefon wird oft nachgefragt, Antworten passen nicht ganz zur Frage, oder Ihr Angehöriger zieht sich bei Familienfeiern zurück.
Für ein ruhiges Gespräch auf Augenhöhe haben wir ein paar Empfehlungen:
Ruhig und unter vier Augen: Nicht vor versammelter Runde, sondern in einem stillen Moment
Von sich sprechen: „Ich habe das Gefühl, dass du bei Familienfeiern viel verpasst, und das tut mir leid“ wirkt besser als „Du hörst schlecht“
Klein anfangen: Ein Hörtest ist unverbindlich
Gemeinsam gehen: Bieten Sie an, zum Termin mitzukommen.
Geduld beim Eingewöhnen: Ein neues Hörgerät braucht Zeit, bis sich das Gehirn wieder an Geräusche gewöhnt
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