
Die Projektgruppe junger Journalistinnen und Journalisten aus Deutschland, Bosnien und Herzegowina und dem Kosovo mit FEEG-Geschäftsführer Gernot Pahlen (hinten, 1. v.r.), Germanwatch-Projektreferentin Verena Allert (Mitte, 2. v.r.). Mit dabei: Die Filmschaffenden Gabriele Voss und Christoph Hübner (Mitte, 1. und 3. v.r., „Vom Ende eines Zeitalters“).
Junge Journalistinnen und Journalisten aus Deutschland, Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo informierten sich über Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Strukturwandels im Ruhrgebiet. Auch Freiheit Emscher war eine Station der Studienreise.
Das Ruhrgebiet als Vorbild für den erfolgreichen Ausstieg aus der Steinkohleförderung: In dieser Woche bereisten junge Journalistinnen und Journalisten aus Deutschland und zwei Westbalkan-Staaten die Region. Die deutsche Nichtregierungsorganisation Germanwatch, gemeinsam mit der Balkan Green Foundation aus Kosovo und Cener21 aus Bosnien und Herzegowina, begleitete die 16-köpfige Gruppe auf ihrer Studienreise unter dem Motto „Kohleregion im Wandel, das Ruhrgebiet früher, heute und in der Zukunft“. Stationen der Tour waren unter anderem Zeche Zollern in Dortmund sowie der Landschaftspark Nord in Duisburg. Gestern stand ein Besuch beim interkommunalen Stadtentwicklungsprojekt Freiheit Emscher auf dem Programm.
Produktive Stadt als Zukunftsperspektive
„Freiheit Emscher steht für die Zukunft des Ruhrgebiets. Die Entwicklung von fünf Bergbaubrachflächen im Essener Norden und Bottroper Süden ist Ausgangspunkt eines Wandels zur produktiven Stadt von morgen. Dieser neue Stadtraum soll für Wirtschaftswachstum sorgen, Lebensqualität bieten und klimagerecht sein“, sagte Gernot Pahlen, Geschäftsführer der Freiheit Emscher Entwicklungsgesellschaft mbh (FEEG).
Die Reise durchs Revier ist Teil des vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) im Rahmen der Europäischen Klimainitiative (EUKI) geförderten Projekts „Grüner Horizont – Für eine gerechte Energiewende“. Das Projekt unterstützt die Kohleregionen Breza in Bosnien und Obiliq im Kosovo dabei, eine sozial gerechte Transformation vom Bergbau hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft umzusetzen.

Kritische Öffentlichkeit fördern
Bosnien-Herzegowina und der Kosovo sind bis heute stark vor allem von Braunkohle abhängig, die Schadstoffbelastung durch Kohleverbrennung ist immens. Bergbau- und Energieunternehmern sind eng mit staatlichen Strukturen verflochten, kritische Berichterstattung über gesundheitliche Folgen und Konsequenzen für das Klima findet wenig statt. Die Medienfreiheit ist eingeschränkt, 2025 rangierten beide im Mittelfeld der 180 Staaten umfassenden Pressefreiheits-Rangliste von Reporter ohne Grenzen. Zum Vergleich: Deutschland belegte Platz 11.
„Deshalb unterstützen wir gezielt eine wissenschaftlich fundierte, lösungsorientierte Berichterstattung über Kohlestrukturwandel und Klimagerechtigkeit vor Ort. Mit der Studienreise schlagen wir einen Bogen von Geschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet über das teils schmerzhafte Ende bis hin zu aktuellen Vorhaben, die Mut machen – so wie die Vision von Freiheit Emscher“, erklärte Verena Allert, Projektreferentin von Germanwatch.
Neue Perspektiven für Kohleregionen schaffen
„Kohleausstieg bedeutet nicht einfach die Zechen zu schließen, sondern eine Region völlig neu zu erfinden. Mir hat gefallen, wie das Ruhrgebiet mit Kunst, Kultur und innovativer Stadtentwicklung wirtschaftliche Perspektiven schafft. Dadurch entstehen für die Bevölkerung neue Orte mit hoher Lebensqualität“, fasste Teilnehmerin Sara Delic aus Sarajevo ihre Eindrücke zusammen.
Auch wenn die Rahmenbedingungen der Westbalkan-Staaten nicht mit Deutschland vergleichbar seien, die Bereitschaft, über Grenzen hinweg in Politik, Verwaltung, Unternehmen und Medien Verbindendes zu suchen, sei Grundvoraussetzung für gelungenen Strukturwandel, ergänzte Pahlen.
Wie das konkret aussehen kann, zeigte der FEEG-Geschäftsführer bei einer Führung über die Entwicklungsfläche Emil Emscher in Vogelheim. Dort entsteht in den kommenden Jahren ein Gewerbegebiet, das wirtschaftliche Stärke mit ökologischer Verantwortung verbindet. Die Entwicklungsmaßnahmen auf Emil Emscher fördern das Land Nordrhein-Westfalen und die EU mit rund 31 Millionen Euro aus dem Just Transition Fund (JTF). Der JTF unterstützt ehemalige Bergbauregionen in der Europäischen Union beim Strukturwandel – und könnte perspektivisch auch für die EU-Beitrittskandidaten Bosnien-Herzegowina und Kosovo eine Option sein.

(c) Text/Foto: Freiheit Emscher Entwicklungsgesellschaft mbH