Alte Allgemeine: Stadtarchiv zeigt 150-jährige Geschichte der Bottroper Schützengesellschaft

Heike Biskup (v.l.), Patrick Thelen, Ralf Schönberger, Andreas Pläsken und Christoph Freitag haben die Ausstellung zum Jubiläum der Alten Allgemeinen Bürgerschützengesellschaft zusammengestellt.

Kaum ein Verein ist so tief in der Stadtgeschichte verwurzelt wie die Alte Allgemeine Bürgerschützengesellschaft Bottrop. Am 9. Juli 1876 kündigte der Amtmann Gustav Ohm die Vorbereitung eines Schützenfestes an. Vor 150 Jahren gab er damit den Startschuss für eine Tradition, die bis heute gepflegt und in diesem Jahr ausgiebig gefeiert wird.

Zum Auftakt zeigt das Stadtarchiv eine umfangreiche Ausstellung im August-Everding-Kulturzentrum. „Das ist nicht irgendein Verein. Die Alte Allgemeine Bürgerschützengesellschaft hat die Stadtgeschichte maßgeblich mitbestimmt“, sagt Stadtarchivarin Heike Biskup während der Pressevorstellung. Auf rund 15 Infotafeln, zahlreichen Exponaten und einem Film wird das Vereinsleben der Alten Allgemeinen nachgezeichnet. Neben umfangreichen Recherchen in historischen Zeitungen und alten Dokumenten konnte sie gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Alten Allgemeinen, Andreas Pläsken, auf das Fotoarchiv von Ernst Günther Schweizer und seinen Töchtern Beatrix und Brigit zugreifen. „Für die Ausstellung haben wir 3.500 Fotos gesichtet“, sagt Pläsken.

Die Ausstellung ist eine Zeitreise durch die Geschichte. Nach historischen Umbrüchen haben sich die Schützen immer wieder neu zusammengefunden. 1937 feierte die Alte Allgemeine ihr letztes Schützenfest, bevor der Verein von den Nationalsozialisten verboten wurde. Zwei Jahre nach der Neugründung wurde 1954 erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ein Königspaar proklamiert. Die schwarz-weißen Fotografien und handschriftlichen, fast gezeichnet wirkenden Dokumente vermitteln die Ernsthaftigkeit, mit der der Zusammenhalt gefeiert wurde.

Zu den besonderen Ritualen der Alten Allgemeinen gehört die Mützentaufe, die in der Ausstellung gleich an mehreren Stellen gewürdigt wird. Erst eine in Bier getränkte und in Form gebrachte Kappe macht ihren Träger zu einem Mitglied der Bürgerschützengesellschaft. „Die Mützen werden weitervererbt“, erklärt Patrick Thelen, der seit über 40 Jahren der Bürgerschützengesellschaft angehört und in dieser Zeit zahlreiche Devotionalien gesammelt hat, die jetzt im Kulturzentrum zu sehen sind.

Rund 650 Mitglieder gehören aktuell der Alten Allgemeine Bürgerschützengesellschaft an. In drei Kompanien folgen sie ihrem gemeinsamen Leitspruch „Aus alter Wurzel neue Kraft“ auch zwischen den alle zwei Jahre stattfindenden Schützenfesten. Sportwettbewerbe, Kinderfeste und Tanzveranstaltungen bieten Anlässe für gemeinsame Aktivitäten. Diese sind in der Ausstellung ebenso dokumentiert wie der humorvolle Blick von Christoph Freitag. Mit präzisen Zeichnungen bringt er die Rituale des Schützenvereins zu Papier.

Einen Bruch in der Vereinschronik hat zuletzt die Coronapandemie ausgelöst. Statt der üblichen zwei Jahre dauerte die Regentschaft von Ralf Schönberger als Schützenkönig drei Jahre. Die damit verbundenen Restriktionen haben der Traditionspflege keinen Abbruch getan. „Wir gleichen eher einem Tanker als einem Schnellboot“, sagt er über die Traditionskräfte der Bürgerschützengesellschaft.

Das gesellige Miteinander findet auch bei jungen Leuten immer wieder Zuspruch. Damit das so bleibt, setzt Andreas Pläsken immer wieder auch auf Anpassungen: „Jedes Königspaar positioniert sich anders und setzt eigene Akzente.“ Im jetzt beginnenden Jubiläumsjahr und dem 50. Schützenfest vom 5. bis 7. Juni hofft er, dass sich viele Jungschützen dem Verein anschließen. Beitrittserklärungen werden auch auf Bierdeckeln akzeptiert.

Die Ausstellung „Aus alter Wurzel neue Kraft“ ist bis zum 21. März zu sehen. Die Ausstellung wird am Freitag, 16. Januar, um 18 Uhr von Oberbürgermeister Matthias Buschfeld im Kammerkonzertsaal des Kulturzentrums eröffnet.

(c) Text/Foto: Stadt Bottrop

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