Investition von fast 2 Millionen Euro: Smarte Technik soll Verkehr in Bottrop lenken

Die wichtigste Nord-Süd-Verbindung durch die Innenstadt ist oft überlastet. „Der Verkehr hat in den vergangenen Jahren so stark zugenommen, dass die Infrastruktur an ihre Grenzen gelangt ist“, sagt der Technische Beigeordnete Klaus Müller und teilt damit die Erfahrungen zahlreicher Autofahrerinnen und Autofahrer. In den kommenden Tagen startet ein Digitalisierungsprojekt, das bis zum Ende des Jahres erste Ergebnisse zur Entlastung bringen soll.

Ein etwa drei Kilometer langes Teilstück der L631 mit der Hans-Sachs-Straße, Friedrich-Ebert-Straße, Essener Straße und Borbecker Straße bis zur Oskarstraße wird für rund zwei Millionen Euro zum Reallabor für nachhaltige Mobilität.

“Wollen das Bauchgefühl mit Zahlen, Daten und Fakten ersetzen”

Unter dem Projekttitel „bot.duv“ – datenbasierte, umweltsensitive Verkehrssteuerung – werden Daten gesammelt und analysiert, um den Verkehrsfluss zu optimieren. „Die Straßen sind für bestimmte Verkehrsgrößen ausgerichtet, wenn diese erreicht sind, können wir nicht einfach eine dritte Fahrspur aufmachen“, so Müller. Notwendig seien Verbesserungen, die mit wenig Aufwand möglich sind.

Mit dem Aufbau des Reallabors ist die Unternehmensberatung Benz und Walter aus Wiesbaden beauftragt worden. Sie sorgt dafür, dass bis Juni die technischen Anlagen zur Erfassung des Verkehrs und der Umwelteinflüsse aufgebaut werden. Anschließend werden die Daten gesammelt und analysiert.

„Wir wollen das Bauchgefühl mit Zahlen, Daten und Fakten ersetzen“, sagt Corinna von der Gracht, Projektleiterin bei Benz und Walter. Aus den Erkenntnissen werden dann Szenarien zur Verkehrsglättung entwickelt. Die Ampelschaltungen können dann je nach Lage angepasst werden. Corinna von der Gracht erklärt, dass bei der Bewertung die Bedarfe aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden.

Ampeln werden grün: Rettungswagen der Feuerwehr werden priorisiert

Die installierten Kameras registrieren Fußgängerinnen, Fußgänger, Pkw, Lkw, Radfahrerinnen, Radfahrer und Busse. Müller und von der Gracht betonen, dass es dabei ausschließlich um die quantitative Erfassung und Kategorisierung der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer geht. „Der Datenschutz wird konsequent mitgedacht. Es werden keine personenbezogenen Daten erfasst“, sagt von der Gracht.

Müller rechnet aus dem Reallabor auch mit Erkenntnissen für die abzweigenden Straßen. So könnten beispielsweise Einmündungsbereiche gezielt umgestaltet werden, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Müller ist zurückhaltend bei der Bewertung, inwieweit mit dem bot.duv-Projekt Staus zeitnah vermieden werden. Um es aber wenigstens den Rettungsdiensten zu vereinfachen, werden 19 Fahrzeuge der Feuerwehr mit sogenannten On-Board-Units ausgestattet. Damit schalten sie die Ampeln auf der Strecke im Reallabor auf Grün.

Bundesministerium für Verkehr zahlt 80 Prozent der Kosten

Die technische Infrastruktur bleibt über die Projektphase hinaus bestehen. Bei der Stadtverwaltung arbeitet Christoph Overlack an der Optimierung der Verkehrstechnik. Er erhofft sich von der neuen Technik, den Verkehrsfluss ein paar Prozentpunkte zu verbessern.

So sollen durch bot.duv Handlungsempfehlungen entwickelt werden, wie die Verkehrstechnik in bestimmten Situationen, beispielsweise bei Straßenbaustellen und Umleitungen, eingestellt werden kann. Insgesamt werden elf Knotenpunkte mit Messsensoren ausgestattet. An fünf Ampelanlagen werden dabei zudem Steuerungsgeräte ausgetauscht. Für die Umbauzeit von jeweils etwa 14 Tagen regeln mobile Baustellenampeln den Verkehr.  

80 Prozent der Kosten trägt das Bundesministerium für Verkehr. Dafür werden die Ergebnisse des Reallabors bundesweit zur Verfügung gestellt. Sie dienen dann als Lösungsvorlage bei ähnlichen Bedingungen in anderen Städten.

(c) Text: Stadt Bottrop, Foto/Headline: Wir lieben Bottrop

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