
Oben von links nach rechts: Timo Tolksberg (Streetworker, Sozialamt), Ilka Lautner (Ärztin vom SpDi, Gesundheitsamt), Margret Döing (ehrenamtliche Mitarbeiterin Kontaktstelle, Caritas), Clemens Hollenhorst-Steinberg (Sozialarbeiter SpDi, Gesundheitsamt), Matthias Buschfeld (Oberbürgermeister Bottrop), Artur Polligkeit (Kontaktstelle, Caritas), Dr. Claudia Postberg-Flesch (Amtsleitung Gesundheitsamt), Michaela Bosy (Evangelische Sozialberatung), Carina Dill (Evangelische Sozialberatung), Alexander Hohler (Vorstand, Caritas), Frank Baldigowski (Fallmanager, Jobcenter); Unten von links nach rechts: Elias Zablocki (Sozialarbeiter SpDi, Gesundheitsamt), Oxana Moroz (Evangelische Sozialberatung)
Die Kontaktstelle der Caritas lud anlässlich des Tages der wohnungslosen Menschen zum gemeinsamen Feiern und zur Begegnung ein, auch Oberbürgermeister Matthias Buschfeld besuchte das Fest
Begegnung schaffen, miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam ein Zeichen gegen Wohnungsnot setzen: Anlässlich des bundesweiten Tages der wohnungslosen Menschen am 11. September hat die Caritas-Kontaktstelle am Borsigweg zu einem Nachbarschaftsfest eingeladen. Viele der Menschen, die dort leben und von der Kontaktstelle begleitet werden, waren zuvor ohne eigene Wohnung. In den von der Stadt bereitgestellten Unterkünften haben sie einen geschützten Ort zum Leben gefunden.
Der bundesweite Aktionstag stand in diesem Jahr unter dem Motto „Hinschauen. Aktiv werden – Gemeinsam gegen Wohnungsnot“. Dieser Gedanke prägte auch das Fest am Borsigweg, das Klientinnen und Klienten der Kontaktstelle, Mitarbeitende, Netzwerkpartner und weitere Gäste zusammenbrachte.
Bei Tombola und Outdoorspielen, Grillwurst, Kuchen, Kaffee, Softdrinks und Softeis entstand eine offene und ausgelassene Atmosphäre. Viele Klientinnen und Klienten blieben auch nach dem offiziellen Ende des Festes noch zusammen und ließen den Nachmittag gemeinsam ausklingen.
„Wohnungslosigkeit darf Menschen nicht an den Rand unserer Gesellschaft drängen. Es braucht sichere Orte und konkrete Unterstützung, aber genauso wichtig sind Begegnung, Gemeinschaft und das Gefühl, dazuzugehören. Das Nachbarschaftsfest zeigt, was entstehen kann, wenn viele Akteure gemeinsam Verantwortung übernehmen“, so Alexander Hohler, Vorstand des Caritasverbandes Bottrop.

Ein geschützter Ort, aber noch kein eigenes Zuhause
Artur Polligkeit ist seit Januar 2025 für die Kontaktstelle der Caritas am Borsigweg verantwortlich. Er und sein Team begleiten viele der dort lebenden Menschen.
„Die Menschen leben hier in kleinen Wohngemeinschaften mit ein bis drei Personen, jeder hat in der Regel sein eigenes Zimmer. Sie haben damit wieder einen sicheren und geschützten Raum und sind insbesondere vor Witterungseinflüssen geschützt“, erklärt Polligkeit.
Ein klassisches Mietverhältnis besteht dabei nicht. Die Menschen leben auf Grundlage einer Nutzungsvereinbarung in den städtisch bereitgestellten Unterkünften. Die eigene Wohnung ersetzt diese Form der Unterbringung nicht. Sie bietet jedoch zunächst Stabilität und schafft eine Grundlage für weitere Schritte.
Die Kontaktstelle unterstützt dabei ganz praktisch im Alltag. Das Angebot reicht von einer Kleiderkammer, Hygieneartikeln und einem kostengünstigen Frühstück bis zur Beratung und Unterstützung bei Behördenangelegenheiten und anderen bürokratischen Fragen.
Für Polligkeit, Sozialarbeiter mit dem fachlichen Schwerpunkt Public Health (M.Sc.), gehört zur Wohnungslosenhilfe auch, möglichst früh anzusetzen: „Wir würden gerne noch häufiger unterstützen, bevor Menschen ihre Wohnung verlieren. Leider erreichen uns viele erst, wenn die Wohnungslosigkeit bereits eingetreten ist.“
Viele Partner tragen zum Fest bei
Wie wichtig Zusammenarbeit in der Wohnungslosenhilfe ist, wurde beim Nachbarschaftsfest ebenfalls sichtbar. Jugendliche aus dem offenen Jugendcafé der AGSB – Arbeitsgemeinschaft sozialer Brennpunkt kamen zu Besuch. Die evangelische Kirche stiftete den Kuchen und verteilte ihn an die Gäste, während ein privater Spender mit Softeis für Abkühlung sorgte. Die Caritas grillte und gab Getränke aus, der Sozialpsychiatrische Dienst organisierte eine Tombola.
Das Fest machte zugleich das Netzwerk sichtbar, das die Arbeit am Borsigweg trägt. Dazu gehören unter anderem Stadt Bottrop, Sozialamt, Caritas, evangelische Kirche beziehungsweise „Dach und Fach“, Jobcenter, Sozialpsychiatrischer Dienst und Bezirkspolizei.
Oberbürgermeister Buschfeld besucht das Fest
Auch Oberbürgermeister Matthias Buschfeld besuchte das Nachbarschaftsfest und die Kontaktstelle. „Menschen ohne eigene Wohnung brauchen mehr als ein Dach über dem Kopf. Sie brauchen verlässliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, Unterstützung und vor allem eine Perspektive, wie es für sie weitergehen kann“, betont er. „Ich schätze das Engagement der Mitarbeitenden und aller beteiligten Akteure hier vor Ort sehr. Gerade die enge Zusammenarbeit ist entscheidend, damit Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht allein gelassen werden und wieder Fuß fassen können.“
Auf Bundesebene besteht das Ziel, Wohnungs- und Obdachlosigkeit bis 2030 zu überwinden. Der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit soll dafür die Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen sowie weiteren gesellschaftlichen Akteuren bündeln.
Für die Caritas-Kontaktstelle zeigt sich zugleich, wie wichtig die konkrete Arbeit vor Ort bleibt: hinschauen, Beziehungen aufbauen, frühzeitig unterstützen und Menschen einen verlässlichen Anlaufpunkt bieten. Das Nachbarschaftsfest hat diese Arbeit und das Netzwerk, das dahintersteht, für einen Nachmittag besonders sichtbar gemacht.