Wege aus der Alkoholsucht

Seit 20 Jahren hilft die „Ambulante Reha Sucht“ alkoholkranken Menschen bei der Bewältigung ihrer Sucht. Während der Suchtwoche „Alkohol – weniger ist mehr“ informierte der Therapieverbund Bottrop/Gladbeck, ein Zusammenschluss des Gesundheitsamtes Bottrop, dem Caritasverband Gladbeck und dem St. Antoniuskrankenhaus Kirchhellen, über Wege aus der Abhängigkeit.

In kurzen Fachvorträgen wurden zum 20 jährigen Jubiläum am 6.5.2019 notwendige Informationen vermittelt und in Diskussion und Gesprächen konnten Fragen geklärt und weitere Ausführungen erfolgen.

Alkoholkrankheit ist häufig und weit verbreitet. Nach Angaben der deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahren, leiden in Bottrop 6.500 Bürger und Bürgerinnen an der Alkoholkrankheit oder sind gefährdet. Die Informationsveranstaltung richtete sich an alle Bürgerinnen und Bürger und war gut besucht.

Unter anderem wurde herausgestellt, dass Alkohol bedrückende Gedanken am Feierabend verschwinden und sich Sorgen für eine Weile verschieben lassen. Es ist ein schleichender Prozess, der bei regelmäßigem Konsum zur Gewohnheit und schließlich zur Sucht übergehen kann.

Diese Erfahrungen teilt auch Uli Borowka, ehemaliger Fußballprofi und Ex-Fußballnationalspieler, der in beeindruckend offener Art und Weise seine Leidensgeschichte während einer Lesung vortrug und sich für eine stärkere Prävention in der Jugendarbeit aussprach. Sein Hauptanliegen ist Präventionsarbeit in den Fußballvereinen und am Arbeitsplatz zu stärken.

Es wird heimlich getrunken und der subjektive Moment im Umgang mit dieser Feststellung „Ich brauche Alkohol“ wird gerne tabuisiert und durch allerlei, mitunter skurrile Hilfsmechanismen zu kompensieren versucht. Leider mit erheblichen Folgen.

„Wir verstehen erst seit 15 Jahren die biochemischen Abläufe im Gehirn bei einer Suchterkrankung und kennen „Belohnungssysteme“ in tiefer liegenden Regionen des Gehirns, die der Schlüssel für die Entstehung und dem Umgang mit Suchterkrankungen sind“, erklärte Gudrun Niewendieck, Expertin aus Duisburg. „60 Folgekrankheiten durch Alkohol sind bekannt und erst seit 51 Jahren ist die Alkoholkrankheit als solche definiert und anerkannt, so dass Hilfe möglich geworden ist“, stellte Frau Dr. Astrid Danneberg vom Gesundheitsamt Bottrop fest. In der Suchtwoche wurde auf die Krankheitszeichen und Suchtgefahren aufmerksam gemacht und aufgezeigt, wie der diagnostische Weg aussehen kann, wie damit umgegangen wird und wie die Lebenssituation der betroffenen Menschen gebessert werden kann.

80 Prozent der Teilnehmer sind ein Jahr später abstinent und fühlen sich gesund. „Ohne die Ambulante Reha würde ich heute hier nicht stehen und als Betroffener zu ihnen sprechen“, sagte Dr. Michael Roßbach.

Während der Selbsthilfewoche nahmen Betroffene und Therapeuten an dem 10-Kilometer-Lauf der WAZ teil, bei dem auf die Suchtwoche „Alkohol – weniger ist mehr“ aufmerksam gemacht wurde. „Das Laufen ist eine Sache, die mir auf dem Weg zur Abstinenz geholfen hat“, sagte Thomas Brinckmann. Mit einer Badewanne voll Alkohol symbolisierte die Suchtberatungsstelle des Gesundheitsamtes den oft sorglosen Umgang mit Alkohol. 131 Liter Alkohol ist der jährliche durchschnittliche pro Kopf Verbrauch. Die Aktion fand im Rahmen der Suchtwoche zum Thema „Alkohol am Arbeitsplatz“ statt. Es ist wichtig, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei Verdacht auf Alkoholkonsum anzusprechen – Schweigen hilft keinem.

Für Betroffene, Arbeitgeber und Familien steht die Suchtberatungsstelle im Gesundheitsamt unter der Telefonnummer 02041/770-3773 für kostenlose und anonyme Beratung zur Verfügung.

 

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