
Selbst am Rednerpult bei der 87. young leaders Akademie in Paderborn: Der Bottroper Rojan Fares.
Von Rojan Fares || Fotos: young leaders GmbH
Fünf Tage zwischen Nachhaltigkeit, Katastrophenschutz und Künstlicher Intelligenz: Ein 17-jähriger Schüler der Janusz-Korczak-Gesamtschule war als einer von rund 100 Jugendlichen aus ganz Deutschland dabei.
Im Foyer des Heinz Nixdorf MuseumsForums steht ein silberner DeLorean, die Zeitmaschine aus dem Kultfilm „Zurück in die Zukunft“. Ein passenderes Bild hätte es kaum geben können für die Woche, die vor mir lag. Denn genau darum ging es bei der 87. young leaders Akademie: um die Frage, wie wir die Zukunft gestalten wollen und wer dafür Verantwortung übernimmt.
Vom 7. bis 12. April 2026 kamen rund 100 Jugendliche aus allen Teilen Deutschlands in Paderborn zusammen, fünf Tage lang mit Vorträgen, Workshops und Diskussionen. Veranstalter ist die young leaders GmbH, die seit Jahren junge Menschen zusammenbringt, die etwas bewegen wollen. Aus Bottrop war diesmal ich dabei und habe Eindrücke mitgenommen, die weit über das Ruhrgebiet hinausreichen. Welche Beachtung die Akademie findet, zeigte sich auch daran, dass ein Kamerateam der Tagesschau vor Ort war und uns filmte.

Das große Dach über allem bildeten die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die sogenannten Sustainable Development Goals. Welche Rolle gerade junge Menschen dabei spielen, machte Joshua Steib deutlich, UN Youth Delegate und EU Young Energy Ambassador. Seine Botschaft: Man muss nicht die ganze Welt retten, um etwas zu verändern. Es kommt auf das tägliche Engagement jedes Einzelnen an. Ein Gedanke, der hängen bleibt, wenn man als Schüler manchmal das Gefühl hat, die großen Probleme seien ohnehin zu weit weg. Für mich wurde es an dieser Stelle besonders persönlich: Ich gehörte zu einer Gruppe von drei Teilnehmern, die ausgewählt wurde, um Joshua Steib zu interviewen. Unsere Ergebnisse stellten wir anschließend vor den über hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Akademie vor.
Wie konkret diese Zukunft schon heute aussieht, zeigten die Fachleute, die in Paderborn auftraten. Verkehrsexperte Dr. Henrik Becker, der zu Smart Cities forscht, sprach über nachhaltige Stadtplanung: darüber, wie Daten und Technik Verkehr und Energie in Städten steuern können, ohne dass die Bewohner es überhaupt bemerken. Ein Thema, das auch das Ruhrgebiet mit seinen dicht besiedelten Städten direkt betrifft. Clemens Pohl, Gründer der AP Sensing GmbH, erklärte, wie sich mit Sensoren in Glasfaserleitungen kritische Infrastruktur wie Strom- und Versorgungsnetze schützen lässt. Das ist ein Thema, das angesichts wachsender Gefahren durch Sabotage und Cyberangriffe immer wichtiger wird.



Besonders beeindruckt hat mich der Auftritt von Albrecht Broemme, dem Ehrenpräsidenten des Technischen Hilfswerks. Das THW, das mit seinen rund 88.000 Ehrenamtlichen auch in der Akademie vor Ort war, steht für mich für etwas, das in all den Hightech-Debatten leicht untergeht: dass am Ende Menschen anpacken müssen. Zwischen Sandsäcken von früher und Drohnen von heute hat sich die Technik radikal verändert. Der Wille zu helfen ist derselbe geblieben.
Dass Zukunft und Geschichte zusammengehören, wurde im Heinz Nixdorf MuseumsForum greifbar, wo die Künstliche Intelligenz nicht aus dem Lehrbuch kam, sondern zum Anfassen war. Vom DeLorean bis zu einer Büste, die ganz aus alten Platinen zusammengesetzt ist, reicht die Spanne zwischen Nostalgie und der Frage, was Maschinen künftig können. Genau das macht den Reiz aus: zu verstehen, wie KI „denkt“, statt sie nur zu benutzen.
Wie das geht, haben wir in einem eigenen KI-Kurs gelernt. Dort ging es darum, wie neuronale Netze in einer Künstlichen Intelligenz arbeiten, also wie eine Maschine aus vielen kleinen Rechenschritten so etwas wie Entscheidungen ableitet. Später programmierte jede und jeder von uns sogar eine eigene Website, und zwar mit sogenanntem Vibe Coding. Dabei beschreibt man der KI in normaler Sprache, was entstehen soll, und sie schreibt den passenden Programmcode dazu. Plötzlich war das, was eben noch abstrakt klang, ganz konkret unsere eigene Arbeit.
Ein Höhepunkt war der festliche Abend, an dem Prof. Nicanor Austriaco mit dem Oswald-von-Nell-Breuning-Preis der Stiftung für politische und christliche Jugendbildung ausgezeichnet wurde. Der Wissenschaftler und Priester, der in den USA und auf den Philippinen lehrt, hat über die Jahre Tausende junge Menschen für ethische Fragen begeistert und zeigte an diesem Abend, dass Werte und Wissenschaft kein Widerspruch sein müssen.
Mit dem Zug zurück nach Bottrop hatte ich vor allem eines im Gepäck: das Gefühl, dass meine Generation nicht ohnmächtig den Krisen gegenübersteht. Der DeLorean im Foyer war ein Spielzeug aus der Vergangenheit. Die Zukunft aber gestalten wir selbst, auch von Bottrop aus.